Andy Palamarcukova

a

Die Welt muss romantisiert werden. So findet man den ursprünglichen Sinn wieder. Romantisieren ist nichts als eine qualitative Potenzierung. Das niedere Selbst wird mit einem bessern Selbst in dieser Operation identifiziert. (…) Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewönlichen ein geheimnisvolles Ansehn, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe, so romantisiere ich es – Umgekehrt ist die Operation für das Höhere, Unbekannte, Mystische, Unendliche. (Novalis, Frankfurt/M.: Fischer, 1956, S. 134)

b

die tiefe des sees

den wind im

die töne von

die wünsche des herzens

das fliegen

die wilde ruhe

die unvernunft

c

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Kinderzeichnung, gekauft für Fr. 5.-


d

Wahrheit: die Befriedigung des Intellekts, welche Leidenschaft oder die Erregung des Herzens produziert. (…) Die Wahrheit, hinter der Poe her ist, ist in Wirklichkeit die Abwesenheit von Wahrheit: eine Wahrheit, entsetzlich verschleiert, gewaltsam überdeckt, ein totalisierender Strudel, in den wir widerstandslos hinunter gesogen werden, während wir winzige empirische Beobachtungen vor uns her plappern. (Mark von Schlegell, Realometer. Berlin: Merve Verlag, 2009, S. 19)

The truth has become merely half-truth.


no-ma-realo – auf das (dah-) inter kommt es an (ng)

a

Mannigfache Wege gehen die Menschen. Wer sie verfolgt und vergleicht, wird wunderliche Figuren entstehen sehen …  (aus:  Novalis, Friedrich von Hardenberg; Die Lehrlinge zu Sais (1798-99). Gedichte  – Die Lehrlinge zu Sais. Stuttgart: Reclam, 1984, S. 61.)

b

Verfolgen und vergleichen – Praxen des Detektivs – Finden wird er Leben, deren Sinn die Suche nach dem Sinn ist. Trost – nein, Verständnis – nein, Gelassenheit – vielleicht.

c

David Caspar Friedrich - Frau am FensterHannah Starkey

d

In der radikalen Ökonomie des Realometers existiert der Wert nur, um entwertet zu werden. (aus: Mark von Schlegell, Realometer, Merve Verlag, Berlin, 2009, B. S. 41)

Die Romantik als Verein des Unvereinbaren von Daniel Skoda

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“Die Toteninsel” von Arnold Böcklin

(Leider kam das von mir bestellte “Realometer” noch nicht an, deshalb Zitiere ich an Stelle von Schlegel den Friedrich Schiller)

“Der Tod ist das romantisierende Prinzip unseres Lebens Der Tod ist Minus, das Leben Plus. Durch den Tod wird das Leben verstärkt” (Novalis, frankfurt/m 1956)

Für mich war die Romantik immer eine Epoche, die sich stark damit beschäftigte scheinbare Gegensätze zu vereinen, welche schon eng beieinander standen und zueinander gehörten, welche aber nie (in Kunst, Philosophie etc.) vereint wurden, ohne dass das Werk auf die eine oder andere Seite kippte . Der Tod und das Leben, die Liebe und das Leiden, die Freude und die Trauer. Vielleicht war es aus diesem Grund, weswegen die Künstler neue Wege (bildnerische, literarische) suchten um die Verbindung zweier Welten zu zeigen (zum Beispiel Schinkels “Dom am Wasser”). Der trotz seiner Schönheit eindeutig Materielle Dom wird zum Tor zum göttlichen Licht. Auch Edgar Allen Poe schaffte es die Welt der Vernünftigen Gedanken und Berechnungen mit furioser Kraft auf die Welt der Geister, des Spirituellen und des Unheimlichen prallen zu lassen, ohne einen eindeutigen Sieger zu kühren. Die Wahrheit ist hier nicht mehr von Interesse oder sie wird relativiert, indem die Aufmerksamkeit dem Blick zugewendet wird. Vielleicht half es diesem Zweck ein “Irrer” zu sein, denn Wahrheit ist niemals die einzige Wahrheit. Poe konnte den Wahnsinn der Vernunft gleichsetzen und zeigte dadurch, das die Vernunft relativ ist.

” Selbst der philosophische Untersuchungsgeist entreisst der Einbildungskraft eine Provinz nach der anderen, und die Grenzen der Kunst verengen sich, jemehr die Wissenschaft ihre Schranken erweitert” (zit. Friedrich Schiller, “über die ästhetische Erzehung des Menschen” Reclam 2000, S. 10)

Vielleicht spricht hier Schiller die Ermordung Gottes durch die Wissenschaft an. Ich denke die Romantik fand einen Ausweg  aus diesem Verbrechen, indem sie beide Kräfte zur selben Macht erklährte. Die Wissenschaft bekahm etwas spiritistisches. Der Tod wurde Romantisch und die (im Mittelalter noch)  feindselige Natur wurde zum Geschenk, das nicht mehr nur willkührlich handelte, sondern das Teils berechnet werden konnte. Man könnte aber auch sagen, dass dadurch, das die Philosophie (oder Wissenschaft ) sich immer weiter ausdehnte, die Kunst (die die Gebiete verloren hatte) nun nicht mehr darauf pochte Wahrheit zu besitzen, oder auf diese zu verweisen, sondern sich unabhängig davon bewegte und Wahrheit bewusst simulierte, dekonstruierte oder sich schlicht und einfach nicht darum kümmerte und sie so der Unwahrheit gleichsetzte.

Die Schönheit, die ich der Romantischen Epoche zuspreche, entstand vielleicht durch das Ueber-Ich das die Menschen bekamen, als sie den Tod als Teil des Lebens, die Wissenschaft als Teil Gottes (oder umgekehrt) akzeptierten und  begannen in sich selbst, im Blick, im eigenen Wesen nach der Wahrheit, nach einer Quintessenz dieser Kräfte zu suchen.

Daniel Skoda

Alper Yagcioglu

a) Mathematik ist eine Substitution zur bequemern Reduktion – ein Hilfsmittel des Denkens. (Novalis. Frankfurt/M.: Fischer, 1956, S. 191)

b) Zahlen und Rechner bestimmen unser soziales Leben. Kybernetik, die Kunst des Steuerns!

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d) Der Realometer ist eine Sprache, die keinem Signifikat entkommt.

(Mark von Schlegell: Realometer. Berlin: Merve, 2009, S. 42)

Post zu Novalis und Mark von Schlegell von Jamila Faris

Alles ,was wir erfahren,ist eine Mitteilung. (Novalis, Frankfurt/M.: Fischer, 1956, p. 133)

Alles, was wir denken, ist eine Mitteilung. Es stellt sich die Frage, ob diese Mit-teilung mit der Aussenwelt zu teilen ist, oder nicht.

Ob wir dies tun, oder unterlassen, ändert nichts am Wesen der Mitteilung als Gedanke, der einmal in Erscheinung getreten, nicht mehr vernichtet werden kann.

Die Mit-teilung muss nicht verständlich sein. Ob die Mit-teilung mit-geteilt wird oder mit-geteilt werden darf, darf nicht durch ihr Mass an Verständlichkeit bestimmt sein. Sowie das Mass an Verständlichkeit nichts mit dem Wert einer Mitteilung zu tun hat. Sobald von Wert gesprochen wird, stellt sich die Möglichkeit der Entwertung. Jede Art der Bewertung von Mit-teilungen macht Gebrauch von dieser Möglichkeit.

Das Verhältnis zwischen Verständlichkeit und Mitteilung kann nicht festgelegt werden, die Verständlichkeit oder die Unverständlichkeit kann lediglich in einer Mit-teilung beinhaltet sein, oder nicht. Die Mitteilung kann sich also der Verständlichkeit bedienen, nicht aber die Vertsändlichkeit der Mitteilung.

Denn es liegt in der Natur der Sprache, dass sie niemals vollkommen verstanden werden kann und genau an diesem Punkt setzt Poe mit seinen Manipulationen an…

(Mark von Schlegell,  Realometer, Merve Berlin,Originalausgabe/ 2009, p.22)

Zweck der Sprache ist es, Sprache zu sein.

Die Sprache auf etwas zu reduzieren, dass dem Anspruch nach Verständlichkeit erlegen zu sein hat, scheint mir lediglich ein weit verbreiteter, menschlicher Irrtum zu sein.

Teil der Collage "Jesus mag Dich nicht",von mir
Teil der Collage “Jesus mag Dich nicht”,von mir

Nina Mischler

a) Mannigfache Wege gehen die Menschen. (Novalis/Friedrich von Hardenberg, Die Lehrlinge zu Sais 198-99, Stuttgart:Reclam1984, S.61)

b) … um so aufregender werden diese Wege, solange es  Menschen gibt, welche per Gedanken – Schiff oder Raumschiff  -  “in Galaxien vordringen, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat.” (Zitat; Star Trek, Enterprise, Next Gerneration)

c) Illustration – Nina Mischler 2010

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d) Das Märtyrertum, das Poe für die Künste, die folgen würden, für Symbolismus, Surrealismus und Science Fiction, für Noir, für die Psychoanalyse und für die Dekonstruktion, für die Quantenphysik und die Konzeptkunst, ertragen musste, war (wie Melville schreibt) nicht weniger real als eine Art Pose oder ein perfomativer Effekt.

(Marc von Schlegell. Realometer, Originalausgabe/ 2009; Merve Verlag Berlin, S.30

… Thanks Eddy!!! R.I.P. ;)

Désirée Myriam Gnaba

a.) “Psychologie. Über den Tiefsinn – zweite Dimension”

(Novalis, Frankfurt/m 1956, S. 175)

b.) Gedanken zur Psychologie/Tiefsinn und Dimensionen

Tiefsinn – ein tiefsinniges Wort. “Damn man, Furious is deep”, sagt im Film Boyz n the Hood Ricky Baker zu seinem Kollegen Tré, der Sohn von Furious, nachdem Furious die zwei Jungs ins Viertel Compton (LA) genommen hatte und sie über die Ghettoproblematik aufgeklärt hatte.

Tiefsinn – Zusammenspiel von Verstand und Vernunft/ Erkenntnis/ Subjektive Beziehung/ Erfahrung/ Vermögen zu denken – über all diesen Fragmenten schwebt in meiner Vorstellung die Psychologie. Vielleicht kann man es sich aussuchen, in welcher Dimension man in ihr eintauchen möchte. Wenn Tiefsinn nach Novalis die 2. Dimension ausmacht, was wäre wohl die 3.?

Dimension – Raum als geistige Dimension. Shamanen versuchen in andere Dimensionen zu gelangen wie Leute, die sich bei der Einnahme von Drogen erhoffen, in solche zu gelangen. E.T.A. Hoffmann nutzte Drogen und Schlafentzug, um in anderen Dimensionen schreiben zu können, eine Methode, die in der deutschen Romantik nicht unbekannt war.

Die amerikanischen Romantiker hatten die Mission der wahrhaften Dimensionen, dem Irrsinn der Vernunft und Rationalität um die Abgründe unser Selbst nur zu streifen…  Nimmermehr, nimmermehr.

c.)

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(Jamila Faris, im Foyer Sihlquai, 2.Stock)

d.) “Poe erzwingt die Rationalisierung, nur um sie im Moment ihrer Entdeckung sofort wieder zu zerstören.”

(Mark von Schlegell: Realometer. Berlin: Merve, 2009, S. 23)

Rafael Adame

a)  Man studiert fremde Systeme, um sein eigenes System zu finden. Ein fremdes System ist der Reiz zu einem eigenen. (Novalis. Frankfurt/M.: Fischer, 1956, S. 151)

b)  Wissenschaft / Exotismus

>  a) – c) Unser Weltbild wurde/wird durch das Beobachten der Sterne konstruiert. Die Astronomie gilt als eine der ältesten Wissenschaften. Um auf offener See seinen Standpunkt zu bestimmen, wird von der Erde weg zu den Sternen geschaut. Unsere Zeitrechnung wird von den Drehbewegungen der Erde selbst und deren um die Sonne bestimmt. Die Kosmologie beschäftigt sich mit dem Ursprung, der Entwicklung und der Struktur des Universums – also somit auch den Ursprung und die Entwicklung der Erde.

Das Bild des Sternenhimmels hat die Menschen schon immer stark beeindruckt und ist auch in vielen Religionen von wichtiger Bedeutung.

>  c) – d) Gleichzeitig wissen wir nicht, wieviel wir überhaupt über das Universum schon/erst wissen/verstehen. Es ist nicht einmal möglich, eine grobe Schätzung aufzustellen, denn wir wissen ja nicht, was wir nicht wissen. Dieses “(Noch)nichtwissen” lässt sich weder in ein System einordnen, noch sonst wie kontrollieren, wir wissen ja nicht einmal wann, wie, wo und ob wir es wissen werden. Was wir nicht kontrollieren können, macht uns Angst und wir geben dem somit eine gewisse Macht. Ob diese Macht im “(Noch)nichtwissendem” oder als Konstrukt in uns selber steckt, weiss ich nicht.

Wenn etwas erforscht wird, entstehen Lücken aus “(Noch)nichtwissendem” zwischen dem “(Vermeintlich)wissendem”, was durch die offenen Fragen grossen Spielraum für Kreativität, mögliche Interpretationen, Deutungen und Theorien freilegt.

Einerseits verleitet es dazu, das zu sehen, was man sehen will, gleichzeitig ist es aber auch nicht möglich, etwas “neutral” zu betrachten.

>  a) – d) Was früher der “animalisch wilde” Mann aus dem Urwald war, wurde später zum “edlen wilden” Mann aus dem Urwald. Erst war er nicht zivilisiert, unkultiviert, daher dem Tiere nahe. Dann später sah man ihn durch seine Nichtzivilisiertheit ursprünglich, unverdorben und der “Natur” noch nahe. Das romantische Bild des “edlen Wilden” hält bis heute noch in vielen Köpfen der westlichen Welt an; das verzerrte Bild aus der Ferne lässt “(noch)nichtwissende” Lücken entstehen, welche in den nach unseren Sehnsüchten und Wünschen entsprechenden ästhetisierten Abbildungen, den exotischen Menschen für uns in seiner bunten Tracht als Schiff oder Rampe in die heile – oder heilige – Natur darstellt. Der “westliche Zivilisierte” reist nach Inden, Peru oder Tibet, um dort beim “authentischen Wilden” seine eigene Authentizität zu suchen.

c)

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(Etienne Leopold Trouvelot, Teil der Milchstrasse, sichtbar im Winter, 1874-1875, Paris, Observatorium)

d)  ”Liesst jemand in einer Sprache, die er nur unvollkommen versteht, so ist es gewiss möglich, dass er etwas findet, was nicht dasteht”, spekulierte Eliot über Poes Erfolg in Frankreich, “und ist der Leser selber ein Mann von Genie, so kann das fremdsprachliche Gedicht, das er liest, durch einen glücklichen Zufall etwas Bedeutsames aus den Tiefen seines Geistes heraufholen, das er dann dem zuschreibt, was er liest”. (Mark von Schlegell: Realometer. Berlin: Merve, 2009, S. 22, T. S. Eliot)

die sprache, die sich selbst denkt – martina fritschy

a) «wir werden die welt verstehn, wenn wir uns selbst verstehn, weil wir und sie integrante hälften sind. gotteskinder, göttliche keime sind wir. einst werden wir sein, was unser vater ist.» (novalis, frankfurt/m 1956, S. 197)

b) ein interpretationsversuch

in novalis ausspruch ist von einem «wir» und der «welt» die rede. doch in welchem verhältnis stehen die beiden entitäten zueinander? der hinweis auf «integrante hälften» könnte lassen einen vermuten, dass die «welt» ohne hierarchische differenz dem «wir» gegenübersteht. so verstanden, käme novalis aphorismus dem diktum «erkenne dich selbst» gleich. zum verständnis der welt genügt es, die aufmerksamkeit auf sich selbst zu richten, da die gesetzte, denen die welt unterliegt, sich in uns spiegeln.

allerdings liegen gleich mehrere hinweise vor, dass es sich nicht um ein gänzlich horizontales verhältnis handelt. novalis spricht von «gotteskinder», von «göttlichen keimen» und davon, dass wir unseren vätern nachschlagen. diese textstellen legen nahe, dass sich das kleine – das wir – im grossen und vollkommenen – der welt – spiegelt.

damit ist noch nicht ausgemacht, was novalis mit «wir» meint. die annahme liegt nahe, dass «wir» die menschheit meint. im hinblick auf das zitat schlegells interessiert mich eine weitergreifende interpretation: ich schlage vor, dass «wir» nicht nur menschen, sondern auch menschliche artefakte mitmeint. damit wäre nicht nur der mensch sondern alle menschlichen erzeugnisse «göttlichee keime» und darin gewissermassen «die welt» angelegt. für das verständnis (eines diskurses, unseres selbst, etc.) wäre demnach jegliche referenz auf ein ausserhalb überflüssig.

c)

Gedicht/Poem/Poème - Change/Exchange/Wechsel

d) «sobald erst die sprache ihre eigene materielle beschaffenheit reflektiert, verfällt ihr eigener anspruch auf vernunft für immer.» (mark von schlegell, realometer, berlin 2009)

Post zum Text Realometer von Marc von Schlegel, (Romina Tschuor)

Denn es liegt in der Natur der Sprache, dass sie niemals vollkommen verstanden werden kann und genau an diesem Punkt setzt Poe mit seinen Manipulationen an…

Marc von Schlegell. Realometer, Originalausgabe/ 2009, S.22

littera pro littera

künstlerische Intervention: Mittelseite einer Zeitschrift. Wenn man sie öffnet, fallen die Farbpigmente aus der Seite.