„Es gibt Menschen, die direkt übergehen vom Nicht-Wahrnehmen-Wollen zur Verzweiflung.“

Al Gore in: An inconvenient truth

Problem der Prognose

Eine Problematik bei der Diskussion der Klimaerwärmung sind die negativen Prognosen, die für die Erde und ihre Bewohner erstellt werden. Selbst wenn die Argumentation einleuchtet und der Klimawandel als Tatsache anerkannt wird, ist das Gebilde komplex und bedrohlich. Zudem können als Lösung gedachte Technologien neue Probleme schaffen. Das wurde 2007/8 deutlich, als aufgrund des vermehrten Anbaus von Pflanzen, die Biotreibstoffe liefern, auf dem Weltmarkt die Preise für Weizen, Mais und Reis in die Höhe getrieben wurden und somit die Bevölkerung in armen Ländern unter Druck kam und stärker unter Hunger litt. Umweltorganisationen wiesen damals darauf hin, dass die CO2 arme Verbrennung von Biotreibstoffen andere auf die Natur schädliche Auswirkungen hat wie den Rückgang der Artenvielfalt, Bodenerosion und die Auslaugung der Böden. Immerhin wurden diese neu aufgetauchten Probleme in der Schweiz im Juli 2008 bei der Gesetzgebung berücksichtigt, sodass nur die Gewinnung von Biotreibstoffen aus Abfallprodukten von der Mineralölsteuer befreit werden.


Utopie! als Alternative

Durch negative Prognosen kann Druck entstehen. Das führt vielleicht zu einer pessimistischen Sichtweise oder was ich als Haltung auch oft gehört habe: mit Vollgas in den Abgrund zu fahren, wenn es sich denn nicht vermeiden lässt. Manche Leute vermeiden das Thema und hoffen auf die Rettung durch die Wissenschaft. Das sind alles defensive Verhaltensweisen. Etwas entgegenstellen, so wie Ingenieure und Techniker das tun, die an neuen Technologien forschen, was wäre das? Etwas denken, das momentan nicht da ist, jedoch als Alternative gewünscht wird? Ich stosse auf den Begriff der Utopie. In meinen Augen reagiert die Utopie nicht nur mit dem Verstand sondern stark mit Phantasie auf den Zustand, der vorhanden ist. Eine Utopie lässt sich vielleicht nie verwirklichen, sie hat unter Umständen etwas phantastisches an sich oder auch etwas lächerliches. Vielleicht sind Utopien auch etwas persönliches, das in eine Form gebracht wird. Das Nicht-Reale einer Utopie kann man als Kritik gegen sie verwenden. Das Nicht-Reale kann jedoch auch eine grosse gedankliche Freiheit bedeuten. Ideen, die utopisch geformt werden, können sich entwickeln und ausdehnen ohne sogleich an den harten Fakten der „Realität“ gemessen und auf ihre Realisierbarkeit hin geprüft zu werden. Vielleicht bedeutet eine Utopie einen „ideenfreundlichen“ Raum. Dieser Raum und was sich darin ausformt kann dann wieder Rückkopplungen auf die Ebene der „Realität“ haben. Es können beispielsweise im utopischen Denken Ideen entwickelt werden, die sich umsetzen lassen oder solche, die in Form von Inspiration wirken. Ähnlich wie Prognosen können Utopien als Denkmodelle betrachtet werden. Prognosen machen eine Aussage über die Zukunft, die anhand von gemessenen Daten als Wahrscheinlichkeit berechnet werden. Sie suggerieren aufgrund der Faktenlage viel Wahrheitsgehalt. Die Utopie reagiert weniger Faktentreu auf eine Ausgangslage, sondern entwirft oder konstruiert mit Phantasie eine Aussage über eine mögliche Zukunft. Beides sind Modelle über eine mögliche Zukunft. Die Utopie stellt angesichts erdrückender Prognose zumindest eine Denkalternative dar.