Posts zu Lehrveranstaltungen von Prof. Dr. Nils Röller (Mediale Künste, DKM, ZHDK)
Und so fort – Andrin Winteler
a) Gefühl des Gefühls ist schon Empfindung; Empfindung der Empfindung und so fort.
(Novalis, Frankfurt/M.: Fischer, 1956)
b) Dieser Satz von Novalis ist mir sofort ins Auge gestochen. Interessant finde ich diese monotone Wiederholung zu einem Thema das ganz und gar nicht monoton ist. Ich bin mir nun aber nicht sicher wie Novalis das ganz genau meint. Auf der einen Seite geht er auf das Gefühl und die Empfindung ein. Auf der anderen Seite ist Schluss und es kommt nur noch; und so fort. Sollte man das nun als Leser fertig denken? Hatte er keine Lust um weiter zu Philosophieren oder gar weiter zu schreiben?
Ich habe mir das überlegt und bin auf folgendes gelangt: Nach der Empfindung kommt das Gefühl und dann Körperliche Reaktion, Emotion. Davor oder Danach die Nachempfindung?
Empfinden tut man ja Tagtäglich x tausend fach. Ein Beispiel: Ich Stehe morgens auf. Die akute Altlast ist der Traum, der in meinem Kopf herumschwirrt. Schon habe ich eine Empfindung. Dann schaue ich als erstes aus dem Fenster. Wie ist das Wetter? Mache mich Strassentauglich und gehe aus dem Haus Richtung Bahnhof. In diesem kurzen Zeitabschnitt hatte ich schon so viele Empfindungen und das waren vielleicht erst fünfzehn Minuten. Alle Empfindungen klumpen sich zu einem Gefühls- Wollknäuel, der immer grösser wird, bis er zu einem Höhepunkt kommt und Implodiert, oder auch Explodiert.
Oder habe ich vielleicht den Satz von Novalis falsch verstanden. Vielleicht kommt anstatt und so fort; ist schon Gefühl, also sich ein ewiges drehendes Karussell.
Gefühl des Gefühls ist schon Empfindung; Empfindung der Empfindung ist schon Gefühl.
Dann sollte nach meiner Meinung die Empfindung vor dem Gefühl kommen. Oder Beeinflusst das Gefühl unsere Empfindungen?
c)

Caspar David Friedrich, Klosterfriedhof im Schnee, 1817-19
Dieses Bild habe ich aus zwei Gründen ausgesucht. Erstens half es mir anhand diesem Bild die beiden Wörter Gefühl und Empfindung zu Analysieren. Zweitens nahm ich es zur Verbindung zwischen dem Satz von Novalis und dem Satz, den ich von Schlegel ausgesucht habe.
In der Szenerie mit der zerstörten Kirche, dem Schnee und den Menschen, die durch den, noch halb verschonten Kircheneingang gehen, schwarz angezogen sind und trauern finde ich viele Parallelen zu Schlegell’s Satz.
“In der Natur, in ihren Schweissnassen Armen” = Karge Landschaft mit Schnee
“Ausgestossene seine Entdeckungen fortsetzten” = Die trauernden Menschen
Heimatlosigkeit = zerstörte Kirche, Kälte
d) In der Natur, in ihren schweissnassen Armen, wird der Ausgestossene seine Entdeckungen fortsetzen. Seine Heimatlosigkeit wächst dabei exponentiell zum Ausmass. seiner Entdeckungen. Das Entdecken selbst ist ein Ausstossen der Vergangenheit. Der Ausgestossene ist von nun an für immer an eine zwingende, schicksalshafte Untersuchung gebunden, mit dem Ziel das Selbst zu entdefinieren.
(Marc von Schlegell. Realometer, Originalausgabe/ 2009; Merve Verlag Berlin, S.54)
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