Archive for March, 2010

mirrors – bianca hildenbrand

a)

[...] Es mit dem Wissen wie mit dem Sehn – je mehr man sieht, desto besser und angenehmer ist es – Ist man übler dran, weil man sieht? Unwissenheit und Blindheit sind analog.

(Novalis, Frankfurt/M.: Fischer, 1956, S.178)

b)
Novalis stellt in diesem Zitat die Frage, ob man übler dran ist, weil man sieht? Unwissenheit und Blindheit stellt er gleich, was gleichzeitig bedeutet Wissen und Sehn sind analog.

Der Spiegel. Ein Medium, um in einem Raum einen weiteren Raum sehen zu lassen. Es sind zwei Orte, die einen Bezug zueinander haben und das Spiegelbild als Abbild von der Wirklichkeit gelesen wird. Symbolisch wird der Spiegel als Wahrheit gelesen. Hier wird also Wissen(schaft) verbunden mit Sehn, was Novalis Aussage entspricht.

Die Wahrnehmung der Bilder vor und im Spiegel können weit auseinander laufen. So sehe ich auch das Phänomen “Wirklichkeit” als eine subjektive Empfindung. Die Wahrnehmung dessen muss aber nicht der Wahrheit entsprechen. Also auch keine Realität sein. Wobei wir uns hier wieder der Philosophie von Schlegell nähern.

Die Arbeit “Smashed mirrors”  von Michelangelo Pistoletti, bewegt sich zwischen diesen zwei Ansichten. Etwa 20 zerschlagene Spiegel sind nebeneinander in einem Raum an die Wand gehängt. Sie entstand durch einen performativen Akt, den der Künstler vor Publikum durchführte. Der Akt des Schlages mittels eines grossen Hammers, sehe ich als freie und eigene bevorzugte Interpretation nach Novalis (die Zerstörung der Wahrheit und Bewahrung des Scheins ) oder nach von Schlegell (die Zerstörung des Scheins und Bewahrung der Wahrheit).

Die Smashed mirrors sind nach Novalis die Blindheit / Unwissenheit, nach von Schlegell spräche man von Wahrheit.

c)

“Smashed mirrors”, Michelangelo Pistoletti

(Ausstellung an der Biennale Venedig, 2009)

smashed mirrors

d)

Ein Textobjekt, gleichzeitig aus der Realität entrückt, als auch dran beteiligt, die Wahrheit-als-Effekt im Abstrakten unterzubringen; das nur innerhalb seiner eigenen Relevanz existiert; das gleich einem in das Gefüge der Welt geschnittenen Lochs keine nichtliterarische Relevanz in Bezug zu Aussenwelt hat.

(Marc von Schlegell. Realometer, Originalausgabe/ 2009; Merve Verlag Berlin, S.19)

Akane Tamotsu: Novalis’s note searched from the Internet

(de)
Alles Sichtbare haftet am Unsichtbaren – das Hoerbare am Unhoerbaren – das Fuehlbare am Unfuehlbaren. Viclleicht das Denkbare am Undenkbaren – .

(en)
Everything that is visible clings to the invisible, The audible to the inaudible, The tangible to the intangible, Maybe also the imaginable to the unimaginable.

***
Indeed if we change the view point for something, we can see/find another aspects of it. However sometimes it is not easy, sometimes we cannot, or sometimes even if we can, it makes us more confuse (in this case we may be in the “border”). the (able) visible/audible/tangible/imaginable and (unable) invisible/inaudible/intangible/unimaginable make spiral then if we find an “able”, next we find “unable”, “unable” become “able” then next we find another “unable”…

this is my way to understand Novalis’s word.

***

Mark von Schlegell:  “Realometer” – American Romance

“The realometer is like a machine. The realometer reflects the light of the living world of consciousness as it rolls written through recorded time, romancing an ever-changing real.”

(http://www.hkw.de/en/programm/2009/andere2009/veranstaltungen_31440/Veranstaltungsdetail_1_36155.php)

That is interesting simile to say American Romance as machine.
In my image, machine is hard, metalic, algorythmic, no warm of human, no spirit, no will, eternally work, only work, … few ‘good’. and also in my image Romance is more lively and human-nature.

then I give it a try to think of the word “system”. Does “system” have human-nature or not? we human have made up a lot of kind of systems, like communication, politics, education,…, and made use of, ran, managed them.

also Machines work along orders by program or stimulation – there are systems.

then there is a common point between human and machine… both exist on some systems and without them we lose order, cannot continue to exist in calm…

still I don’t think Machine is not human nature but “system” is like a bridge between machine and human.

then realometer also has a system which projects human’s lively feelings, and human are the creators of its program. when human’s feelings get together, the flow is made and the flow becomes a big program (similar as Complex Systems!). by the program, the system works, … then he said realometer is like as it rolls ‘written through recorded time’. …

…I’m sorry, I become confused. and my opinion may be out of theme… (I’m studying “Computer Science” at my home university!)

Tobias Wirz: Romantinimal Flow

«Auf dieselbe Art, wie wir unser Denkorgan in beliebige Bewegung setzen — seine Bewegung beliebig modifizieren — dieselbe und ihre Produkte beobachten — und mannigfaltig ausdrücken — auf dieselbe Art, wie wir die Bewegungen des Denkorgans zur Sprache bringen — wie wir sie in Gebärden äußern — in Handlungen ausprägen, wie wir uns überhaupt willkürlich bewegen und aufhalten — unsre Bewegungen vereinigen und vereinzeln — auf eben dieselbe Art müssen wir auch die innern Organe unsers Körpers bewegen, hemmen, vereinigen und vereinzeln lernen. Unser ganzer Körper ist schlechterdings fähig, vom Geist in beliebige Bewegung gesetzt zu werden. Die Wirkungen der Fucht, des Schreckens — der Traurigkeit, des Zorns — des Neides — der Scham, der Freude, der Phantasie usw. sind Indikationen genug —. Überdem aber hat man genugsam Beispiele von Menschen — die eine willkürliche Herrschaft über einzelne, gewöhnlich der Willkür entzogene Teile ihres Körpers erlangt haben. Dann wird jeder sein eigner Arzt sein — und sich ein vollständiges, sichres und genaues Gefühl seines Körpers erwerben können – dann wird der Mensch erst wahrhaftig unabhängig von der Natur, vielleicht imstande sogar sein, verlorne Glieder zu restaurieren sich bloß durch seinen Willen zu töten, und dadurch erst wahre Aufschlüsse über Körper — Seele — Welt — Leben — Tod und Geisterwelt zu erlangen. Es wird vielleicht nur von ihm davon abhängen einen Stoff zu beseelen — Er wird seine Sinne zwingen ihm die Gestalt zu produzieren, die er verlangt — und im eigentlichsten Sinn in seiner Welt leben können. Dann wird er vermögend sein sich von seinem Körper zu trennen — wenn er es für gut findet — er wird sehn, hören — und fühlen was, wie und in welcher Verbindung er will.»

(Novalis. Frankfurt/M.: Fischer, 1956, S. 199)

Flow infinitely – Are we humans, or are we dancers?

Wer hat sich schon einmal in einem Club in die «nächste Sphäre» getanzt? Wenn ich Sphäre schreibe, dann meine ich ungefähr das hier. Ohne Drogen ist es: Kristallklar. Mit Drogen: Unscharf, aber wahrnehmbar. Ich kann mich an einen Moment erinnern, den ich als den mit Abstand grössten Summanden aus einer Addition von Erfahrungen bezeichnen möchte. Es war in einem Club an der Birchstrasse in Zürich Oerlikon: Im «Birchermüesli». Während einer Zeit des Aufbruchs, der Abreise. Das Schiff stand bereit, die Kamine rauchten, an Deck wurden Cocktails gereicht und das Schiffshorn blies neue, filigrane Töne. Es war die Zeit des minimal. Eine Musik, zu der der Musikjournalist Philip Sherburne schrieb: «Minimal Techno corkscrews into the very heart of repetition». Für meine Erzählung wichtig ist auch das Statement von Robert Hood: «A basic stripped down, raw sound. Just drums, basslines and funky grooves and only what’s essential. Only what is essential to make people move. I started to look at it as a science, the art of making people move their butts, speaking to their heart, mind and soul. It’s a heart-felt rhythmic techno sound.»

Gut, lasst uns erste Tanzschritte wagen: Um dorthin zu gelangen, wo mein Text hinführt oder hinführen möchte, muss man verstehen, nein begreifen (also mit geistigen Fingern das Fluidum anfassen, es drehen und wenden, drücken und reiben, «haptisch» erfahren!) was Flow ist. Feststellung 1: Mit Flow ist keineswegs das deutsche Wort Fluss oder Strom gemeint, da diese Begriffe im deutschen sehr viel und sehr merkwürdig verwendet werden bzw. die eine oder andere Sache verkehren. Mir war beispielsweise nie klar, wie man von Warenflüssen und Geldströmen reden kann. Meiner Ansicht nach sind das lediglich mechanische Verschiebungen in fein verästelten Bronchialsystemen. Dieser Begriffsirrtum erschloss sich mir eines morgens, als ich mit meinem Velo an der Spitze  eines durch einen geschlossenen Bahnübergang unterbrochenen Verkehrsflusses stand und warten musste, bis der beeindruckend lange Güterzug durchgefahren war. Flow ist etwas ganz anderes. Feststellung 2 (und dann höre ich auf, Dinge fest zu stellen): Dass ich Flow mit der Form des Textes (der These, des Theorems) begreiflich machen möchte, ist kühne Einfalt!

Wenn man sich hier im VMK mit jemandem über die Freiheit unterhalten möchte, die in der Repetition zu finden ist, der soll Alexander Tuchacek darauf ansprechen. Er denkt sehr schnell und zuweilen ist es, als renne man in einem Maisfeld einem Hasen hinterher. Aber aus einer völlig anderen Ecke kommt von Alexander etwas absolut Kongruentes zu dem, was ich von der anderen Sphäre zu berichten habe. Am besten man hört sich mal dieses Musikstück an und kehrt dann wieder zum Text zurück.

Was passiert nun auf der Tanzfläche? Das muss ich vereinfachen: Das Monotone eröffnet eine Ebene universaler Freiheit (univers; «in eins gekehrt»). Alles ist möglich. Ein Zustand der Schwerelosigkeit. Schwer zu beschreiben. Kid David von der Legion of Extraordinary Dancers, von der wir gleich noch mehr hören, sagt über seinen Tanz folgendes:

«It’s kinda like, a lot of times, I don’t know whats going on when iam dancing cause on that point it’s just realy like it’s my body in the music, it’s not realy a concious decision «iam gonna do this, next iam gonna do this». It’s kind of like this other level where you can’t make choices anymore, it’s just your body reacting to certain sounds in the music.»

Es gibt diese junge Generation (obwohl – von einer Generation zu sprechen ist falsch), also diese Kids (und mit Alter hat das nichts zu tun) überall auf dem Planeten, die entdecken ebendiesen Flow, den es eigentlich schon immer gibt und der reine Bewusstheit ist. Für mich als professionellen Full-contact-street-cyclist gibt es zwei Seiten: Die eine hockt zwischen den Arschbacken schwitzend in einer Trivialisierungsmaschine und hupt und stösst und flucht. Die andere ist Empfindungskörper durch und durch und flowt durch die Häuserschluchten. Wer etwas von Flow wissen will, der fängt damit an, Freestyle zu betrachten.

TED-Talk über die Legion of Extraordinary Dancers

Was hat Flow nun mit Romantik zu tun? «Fenster als Schnittstellen». Vereinfachen wir das Ganze und nehmen unsere «Fenster zur Welt», die Augen. Weiten wir das Ganze aus und denken unseren Körper mit, unsere Sinne, unseren Geist, schlicht unsere Wahrnehmung in ihrer Ganzheit. Neue Menschen (an vorderster Front «die Freestyler») entdecken eine Welt vor der Konstruktion. Über ihr. Sie entdecken ihr Bewusstsein als Interface zu dieser Welt, werden selbst zu Kirchen. Sie sind in den Momenten, wo es «flowt» absolut präsent in der Gegenwart. Das Gedankenkonstrukt Zeit wird in ihren Händen zu einem formbaren Energieball. Sie versuchen weder den Beton zu bemoosen, noch ihn zu sprengen. Sie bauen damit Flugmaschinen!

Wann ist das letzte Mal etwas so kraftvolles aus dem «regulären» Kunstbetrieb herausgebrochen?

«Flow infinetly (…)» Jay Z – Hard Knock Life (Ghetto Anthem)

«Are we human, or are we dancers?» The Killers – Human

Und so fort – Andrin Winteler

a) Gefühl des Gefühls ist schon Empfindung; Empfindung der Empfindung und so fort.

(Novalis, Frankfurt/M.: Fischer, 1956)

b) Dieser Satz von Novalis ist mir sofort ins Auge gestochen. Interessant finde ich diese monotone Wiederholung zu einem Thema das ganz und gar nicht monoton ist. Ich bin mir nun aber nicht sicher wie Novalis das ganz genau meint. Auf der einen Seite geht er auf das Gefühl und die Empfindung ein. Auf der anderen Seite ist Schluss und es kommt nur noch; und so fort. Sollte man das nun als Leser fertig denken? Hatte er keine Lust um weiter zu Philosophieren oder gar weiter zu schreiben?

Ich habe mir das überlegt und bin auf folgendes gelangt: Nach der Empfindung kommt das Gefühl und dann Körperliche Reaktion, Emotion. Davor oder Danach  die Nachempfindung?

Empfinden tut man ja Tagtäglich x tausend fach. Ein Beispiel: Ich Stehe morgens auf. Die akute Altlast ist der Traum, der in meinem Kopf herumschwirrt. Schon habe ich eine Empfindung. Dann schaue ich als erstes aus dem Fenster. Wie ist das Wetter? Mache mich Strassentauglich und gehe aus dem Haus Richtung Bahnhof. In diesem kurzen Zeitabschnitt hatte ich schon so viele Empfindungen und das waren vielleicht erst fünfzehn Minuten. Alle Empfindungen klumpen sich zu einem Gefühls- Wollknäuel, der immer grösser wird, bis er zu einem Höhepunkt kommt und Implodiert, oder auch Explodiert.

Oder habe ich vielleicht den Satz von Novalis falsch verstanden. Vielleicht kommt anstatt und so fort; ist schon Gefühl, also sich ein ewiges drehendes Karussell.

Gefühl des Gefühls ist schon Empfindung; Empfindung der Empfindung ist schon Gefühl.

Dann sollte nach meiner Meinung die Empfindung vor dem Gefühl kommen. Oder Beeinflusst das Gefühl unsere Empfindungen?

c)

Caspar David Friedrich

Caspar David Friedrich, Klosterfriedhof im Schnee, 1817-19

Dieses Bild habe ich aus zwei Gründen ausgesucht. Erstens half es mir anhand diesem Bild die beiden Wörter Gefühl und Empfindung zu Analysieren. Zweitens nahm ich es zur Verbindung zwischen dem Satz von Novalis und dem Satz, den ich von Schlegel ausgesucht habe.

In der Szenerie mit der zerstörten Kirche, dem Schnee und den Menschen, die durch den, noch halb verschonten Kircheneingang gehen, schwarz angezogen sind und trauern finde ich viele Parallelen zu Schlegell’s Satz.

“In der Natur, in ihren Schweissnassen Armen” = Karge Landschaft mit Schnee

“Ausgestossene seine Entdeckungen fortsetzten” = Die trauernden Menschen

Heimatlosigkeit = zerstörte Kirche, Kälte


d) In der Natur, in ihren schweissnassen Armen, wird der Ausgestossene seine Entdeckungen fortsetzen. Seine Heimatlosigkeit wächst dabei exponentiell zum Ausmass. seiner Entdeckungen. Das Entdecken selbst ist ein Ausstossen der Vergangenheit. Der Ausgestossene ist von nun an für immer an eine zwingende, schicksalshafte Untersuchung gebunden, mit dem Ziel das Selbst zu entdefinieren.

(Marc von Schlegell. Realometer, Originalausgabe/ 2009; Merve Verlag Berlin, S.54)


Andy Palamarcukova

a

Die Welt muss romantisiert werden. So findet man den ursprünglichen Sinn wieder. Romantisieren ist nichts als eine qualitative Potenzierung. Das niedere Selbst wird mit einem bessern Selbst in dieser Operation identifiziert. (…) Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewönlichen ein geheimnisvolles Ansehn, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe, so romantisiere ich es – Umgekehrt ist die Operation für das Höhere, Unbekannte, Mystische, Unendliche. (Novalis, Frankfurt/M.: Fischer, 1956, S. 134)

b

die tiefe des sees

den wind im

die töne von

die wünsche des herzens

das fliegen

die wilde ruhe

die unvernunft

c

truth1

Kinderzeichnung, gekauft für Fr. 5.-


d

Wahrheit: die Befriedigung des Intellekts, welche Leidenschaft oder die Erregung des Herzens produziert. (…) Die Wahrheit, hinter der Poe her ist, ist in Wirklichkeit die Abwesenheit von Wahrheit: eine Wahrheit, entsetzlich verschleiert, gewaltsam überdeckt, ein totalisierender Strudel, in den wir widerstandslos hinunter gesogen werden, während wir winzige empirische Beobachtungen vor uns her plappern. (Mark von Schlegell, Realometer. Berlin: Merve Verlag, 2009, S. 19)

The truth has become merely half-truth.


no-ma-realo – auf das (dah-) inter kommt es an (ng)

a

Mannigfache Wege gehen die Menschen. Wer sie verfolgt und vergleicht, wird wunderliche Figuren entstehen sehen …  (aus:  Novalis, Friedrich von Hardenberg; Die Lehrlinge zu Sais (1798-99). Gedichte  – Die Lehrlinge zu Sais. Stuttgart: Reclam, 1984, S. 61.)

b

Verfolgen und vergleichen – Praxen des Detektivs – Finden wird er Leben, deren Sinn die Suche nach dem Sinn ist. Trost – nein, Verständnis – nein, Gelassenheit – vielleicht.

c

David Caspar Friedrich - Frau am FensterHannah Starkey

d

In der radikalen Ökonomie des Realometers existiert der Wert nur, um entwertet zu werden. (aus: Mark von Schlegell, Realometer, Merve Verlag, Berlin, 2009, B. S. 41)

Die Romantik als Verein des Unvereinbaren von Daniel Skoda

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“Die Toteninsel” von Arnold Böcklin

(Leider kam das von mir bestellte “Realometer” noch nicht an, deshalb Zitiere ich an Stelle von Schlegel den Friedrich Schiller)

“Der Tod ist das romantisierende Prinzip unseres Lebens Der Tod ist Minus, das Leben Plus. Durch den Tod wird das Leben verstärkt” (Novalis, frankfurt/m 1956)

Für mich war die Romantik immer eine Epoche, die sich stark damit beschäftigte scheinbare Gegensätze zu vereinen, welche schon eng beieinander standen und zueinander gehörten, welche aber nie (in Kunst, Philosophie etc.) vereint wurden, ohne dass das Werk auf die eine oder andere Seite kippte . Der Tod und das Leben, die Liebe und das Leiden, die Freude und die Trauer. Vielleicht war es aus diesem Grund, weswegen die Künstler neue Wege (bildnerische, literarische) suchten um die Verbindung zweier Welten zu zeigen (zum Beispiel Schinkels “Dom am Wasser”). Der trotz seiner Schönheit eindeutig Materielle Dom wird zum Tor zum göttlichen Licht. Auch Edgar Allen Poe schaffte es die Welt der Vernünftigen Gedanken und Berechnungen mit furioser Kraft auf die Welt der Geister, des Spirituellen und des Unheimlichen prallen zu lassen, ohne einen eindeutigen Sieger zu kühren. Die Wahrheit ist hier nicht mehr von Interesse oder sie wird relativiert, indem die Aufmerksamkeit dem Blick zugewendet wird. Vielleicht half es diesem Zweck ein “Irrer” zu sein, denn Wahrheit ist niemals die einzige Wahrheit. Poe konnte den Wahnsinn der Vernunft gleichsetzen und zeigte dadurch, das die Vernunft relativ ist.

” Selbst der philosophische Untersuchungsgeist entreisst der Einbildungskraft eine Provinz nach der anderen, und die Grenzen der Kunst verengen sich, jemehr die Wissenschaft ihre Schranken erweitert” (zit. Friedrich Schiller, “über die ästhetische Erzehung des Menschen” Reclam 2000, S. 10)

Vielleicht spricht hier Schiller die Ermordung Gottes durch die Wissenschaft an. Ich denke die Romantik fand einen Ausweg  aus diesem Verbrechen, indem sie beide Kräfte zur selben Macht erklährte. Die Wissenschaft bekahm etwas spiritistisches. Der Tod wurde Romantisch und die (im Mittelalter noch)  feindselige Natur wurde zum Geschenk, das nicht mehr nur willkührlich handelte, sondern das Teils berechnet werden konnte. Man könnte aber auch sagen, dass dadurch, das die Philosophie (oder Wissenschaft ) sich immer weiter ausdehnte, die Kunst (die die Gebiete verloren hatte) nun nicht mehr darauf pochte Wahrheit zu besitzen, oder auf diese zu verweisen, sondern sich unabhängig davon bewegte und Wahrheit bewusst simulierte, dekonstruierte oder sich schlicht und einfach nicht darum kümmerte und sie so der Unwahrheit gleichsetzte.

Die Schönheit, die ich der Romantischen Epoche zuspreche, entstand vielleicht durch das Ueber-Ich das die Menschen bekamen, als sie den Tod als Teil des Lebens, die Wissenschaft als Teil Gottes (oder umgekehrt) akzeptierten und  begannen in sich selbst, im Blick, im eigenen Wesen nach der Wahrheit, nach einer Quintessenz dieser Kräfte zu suchen.

Daniel Skoda

Alper Yagcioglu

a) Mathematik ist eine Substitution zur bequemern Reduktion – ein Hilfsmittel des Denkens. (Novalis. Frankfurt/M.: Fischer, 1956, S. 191)

b) Zahlen und Rechner bestimmen unser soziales Leben. Kybernetik, die Kunst des Steuerns!

c)zeit

d) Der Realometer ist eine Sprache, die keinem Signifikat entkommt.

(Mark von Schlegell: Realometer. Berlin: Merve, 2009, S. 42)

Post zu Novalis und Mark von Schlegell von Jamila Faris

Alles ,was wir erfahren,ist eine Mitteilung. (Novalis, Frankfurt/M.: Fischer, 1956, p. 133)

Alles, was wir denken, ist eine Mitteilung. Es stellt sich die Frage, ob diese Mit-teilung mit der Aussenwelt zu teilen ist, oder nicht.

Ob wir dies tun, oder unterlassen, ändert nichts am Wesen der Mitteilung als Gedanke, der einmal in Erscheinung getreten, nicht mehr vernichtet werden kann.

Die Mit-teilung muss nicht verständlich sein. Ob die Mit-teilung mit-geteilt wird oder mit-geteilt werden darf, darf nicht durch ihr Mass an Verständlichkeit bestimmt sein. Sowie das Mass an Verständlichkeit nichts mit dem Wert einer Mitteilung zu tun hat. Sobald von Wert gesprochen wird, stellt sich die Möglichkeit der Entwertung. Jede Art der Bewertung von Mit-teilungen macht Gebrauch von dieser Möglichkeit.

Das Verhältnis zwischen Verständlichkeit und Mitteilung kann nicht festgelegt werden, die Verständlichkeit oder die Unverständlichkeit kann lediglich in einer Mit-teilung beinhaltet sein, oder nicht. Die Mitteilung kann sich also der Verständlichkeit bedienen, nicht aber die Vertsändlichkeit der Mitteilung.

Denn es liegt in der Natur der Sprache, dass sie niemals vollkommen verstanden werden kann und genau an diesem Punkt setzt Poe mit seinen Manipulationen an…

(Mark von Schlegell,  Realometer, Merve Berlin,Originalausgabe/ 2009, p.22)

Zweck der Sprache ist es, Sprache zu sein.

Die Sprache auf etwas zu reduzieren, dass dem Anspruch nach Verständlichkeit erlegen zu sein hat, scheint mir lediglich ein weit verbreiteter, menschlicher Irrtum zu sein.

Teil der Collage "Jesus mag Dich nicht",von mir
Teil der Collage “Jesus mag Dich nicht”,von mir

Nina Mischler

a) Mannigfache Wege gehen die Menschen. (Novalis/Friedrich von Hardenberg, Die Lehrlinge zu Sais 198-99, Stuttgart:Reclam1984, S.61)

b) … um so aufregender werden diese Wege, solange es  Menschen gibt, welche per Gedanken – Schiff oder Raumschiff  -  “in Galaxien vordringen, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat.” (Zitat; Star Trek, Enterprise, Next Gerneration)

c) Illustration – Nina Mischler 2010

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d) Das Märtyrertum, das Poe für die Künste, die folgen würden, für Symbolismus, Surrealismus und Science Fiction, für Noir, für die Psychoanalyse und für die Dekonstruktion, für die Quantenphysik und die Konzeptkunst, ertragen musste, war (wie Melville schreibt) nicht weniger real als eine Art Pose oder ein perfomativer Effekt.

(Marc von Schlegell. Realometer, Originalausgabe/ 2009; Merve Verlag Berlin, S.30

… Thanks Eddy!!! R.I.P. ;)