Archive for May, 2009

Magie der Zahl: Deleuze/Guattari

Seminar: Magie der Zahl – Deleuze / Guattari

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Kritische Textanalyse: „Vom Chaos zum Gehirn“ von Gilles Deleuze und Félix Guattari
(aus dem Werk: „Was ist Philosophie?“)

Leitung: Nils Röller
Schule/Vertiefungsrichtung: ZhdK/VMK
Verfasser: Bianca Hildenbrand & Tobias Wirz
Datum: 26.05.2009

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Magie der Zahl: René Descartes

Kritische Textanalyse: „Discurs de la méthode“ von René Descartes
Leitung: Nils Röller
Schule/Vertiefungsrichtung: ZHdK/VMK
Verfasser: Sebastian Herzog & Zoe Haene
Datum: 17.3. – 31.3.2009

Arithmetic Composition von Theo van Doesburg

Arithmetic Composition von Theo van Doesburg

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Magie der Zahl: Zählen

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Detail der Konstruktion von Renzo Piano zur Aufführung von Luigi Nonos “Prometeo – Tragedia dell`ascolto, Venedig 1994

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Seminar: Magie der Zahl

Martin Heidegger, Holzwege

1. Autor, Titel, Ort, Jahr und Verlag

Martin Heidegger (1889 – 1976), Holzwege, Deutschland, 1935–1946, Verlag Vittorio Klostermann, Frankfurt a.M. 2003

2. Was gefällt mir, was missfällt mir?

Das Vorgehen auf der suche nach dem Wesen der neuzeitlichen Metaphysik wird dadurch interessant, dass es logisch auf der Analyse von Erscheinungen der Neuzeit aufbaut und gleichzeitig selber ein Spiegel dieser Metaphysik ist, was Heidegger nicht vermeiden kann. Schön finde ich die Bemerkung, dass die neuzeitliche Metaphysik nur auf einer von verschiedenen Wahrheiten beruht, und dass diese von anderen Wahrheiten nicht nach dem Gesichtspunkt des Fortschritts abzuheben ist.

Ganz am Anfang des Kapitels zählt Heidegger fünf Erscheinungen der Neuzeit auf, die Wissenschaft, die Maschinentechnik, der Vorgang dass die Kunst in den Gesichtskreis der Ästhetik rückt, das menschliche Tun welches als Kultur aufgefasst und vollzogen wird und die Entgötterung. Es ist schade, dass sich die Argumentation nur auf die Wissenschaft beschränkt, was den Gedanken aufkommen lässt, dass er dieses Kapitel auf diese eine Erscheinung beschränkt um seine technikkritische Haltung zu manifestieren. Ausserdem besteht die Möglichkeit gerade in den anderen Erscheinungen den Kulturpessimismus zu widerlegen.

3. Interpretation:

Mögliche Motivation des Textes:
Ausgang des Textes war die Überwindung des Objekt-Subjekt-Schemas. Die vorherrschende philosophische Strömung der Neuzeit war für Heidegger die von Descartes ausgehende Subjektphilosophie. Wenn die Metaphysik die Welt und das Sein im Ganzen betrachtet und eine Bestimmung dessen gibt (bspw. „alles ist Geist“: Idealismus oder „alles ist Materie“: Materialismus), dann besteht der Kern ihres Vorgehens darin, dass sie das Seiende vor sich bringt, um es zu bestimmen. Heidegger sprach daher von einem vorstellendem Denken. Die Eigenart dieses vorstellenden Denkens ist es aber, dass es das Seiende als Objekt für ein Subjekt vorstellt und somit die Subjekt-Objekt-Spaltung aktualisiert. Dadurch inthronisiert aber die Metaphysik den Menschen als Maß aller Dinge. Das Seiende hat von nun ab beim Subjekt Mensch vorstellig zu werden: Nur was so festgestellt und sichergestellt wurde, ist auch. Für Descartes ist allein das, was sich durch den Menschen mathematisch beschreiben lässt.

Stellung des Textes im Werk des Autors:
Im Denkweg Martin Heideggers vollzog sich zwischen 1930 und 1938 ein Umdenken, welches er selbst als Kehre bezeichnete. Der Text Holzwege entstand zwischen 1935 und 1946. Es ging ihm nach der Kehre nicht mehr um den Sinn von Sein oder dessen transzendentalen Auslegungshorizont (die Zeit), sondern er bezog die Rede vom Sein als solches darauf, wie das Sein sich von sich selbst her sowohl entbirgt als auch verbirgt.

Seine mögliche Bedeutung für das Seminar:

Heidegger sieht die neuzeitliche Methaphysik unter anderem im Denken von Descartes begründet. In Holzwege zeigt er die Dominanz der Mathematik in der Naturwissenschaft auf, die er als Grundlage der neuzeitlichen Metaphysik sieht. Heidegger war der Auffassung, dass die Naturwissenschaft erklären könne, wie das Vorhandene, die Dinge arbeiten – aber nicht, was die Dinge sind. Aufgrund des Erfolges technischer Errungenschaften und der Herrschaft technischer Mittel breitet sich die damit einhergehende Weltauffassung über den ganzen Planeten aus und überlagert alle neben ihr bestehenden Formen des Weltverständnisses. Damit richtet sich die technische Weltauffassung immer fester in der Welt ein, befindet Heidegger, und wird so zum Gestell. Durch seinen Willen zur Herstellung und Vorstellung der Dinge übergehe der Mensch die eigene Bedeutung der Dinge.
Verwandt sind Kunst und Technik laut Heidegger durch ihren Bezug zum Wahrheitsgeschehen: Beide sind Formen des Entdeckens, bei beiden kommt das Seiende in die Unverborgenheit. Während aber die Kunst einen Bereich eröffnet, indem sich ein neues Selbst- und Weltverhältnis des geschichtlichen Menschen einstellen kann, reproduziert die technische Erfassung der Welt stets das gleiche herrschaftliche Verhältnis gegenüber der Welt.
Kunst, Dichtung, Denken, Staatsgründung sind für Heidegger Akte, in denen Wahrheit geschieht, indem sich eine neue Weltauffassung verwirklicht. So entwerfe beispielsweise die Physik ihren Gegenstandsbereich als die Veränderung von Materie und Energie in Raum und Zeit. Alle Erkenntnis, die sich von nun ab in der physikalischen Wissenschaft vollzieht, verbleibt in diesem einmal als wahr eröffneten Bereich. In der Kunst hingegen vollziehen sich neue Weisen des Fühlens und der Weltauffassung, die sich nicht aus einer vorangehenden Weltauffassung ableiten lassen.

4. Analyse der Argumentationslinien des Autors:

Welche Fakten trägt er vor?
Als ersten Schritt macht er fünf Erscheinungen der Neuzeit aus in denen sich das Wesen der neuzeitlichen Metaphysik spiegelt. Die Wissenschaft, die Maschinentechnik, den Vorgang, dass die Kunst in den Gesichtskreis der Ästhetik rückt, das menschliche Tun welches als Kultur aufgefasst und vollzogen wird und die Entgötterung. (S.75)

Das Wesen der Forschung wiederum besteht darin, „…dass das Erkennen sich selbst als Vorgehen in einem Bereich des Seienden, der Natur oder der Geschichte einrichtet.“ (S.76)

Im Folgenden geht er auf die Physik als Wissenschaft ein, der die Mathematik zu Grunde liegt, und unterscheidet die mathematischen Naturwissenschaften von den lebendigen Wissenschaften (Geisteswissenschaften). „Alle Vorgänge müssen hier, wenn sie überhaupt als Naturvorgänge in die Vorstellung kommen sollen, im Voraus als raum-zeitliche Bewegungsgrössen bestimmt sein. Solche Bestimmung vollzieht sich in der Messung mit Hilfe der Zahl und der Rechnung.“ (S.79)

Welche Metaphern verwendet er?
Im Titel Holzwege besteht bereits eine Metapher die er auf der dritten Seite folgendermassen erläutert:
„Holz lautet ein alter Name für Wald. Im Holz sind Wege, die meist verwachsen jäh im Unbegangenen aufhören. Sie heissen Holzwege. Jeder verläuft gesondert, aber im selben Wald. Oft scheint es, als gleiche einer dem anderen. Doch es schein nur so. Holzmacher und Waldhüter kennen die Wege. Sie wissen, was es heisst, auf dem Holzweg zu sein.“

Welche Techniken und Medien spricht er an?
- Kunst
- Maschinentechnik
- Physik / Atomphysik

Warum argumentiert der Autor so?

Heidegger wird einerseits von einem konservativen, technikkritischen Denken geleitet. Andererseits hofft er, dass das Rettende aus demselben erwachsen wird, was seinerseits die Verwüstung hervorbringt.
Ob es dem Menschen gelingt, in ein neues und reflektiertes Verhältnis zur Technik zu gelangen, ist – entsprechend des seinsgeschichtlichen Denkens – keine Frage des subjektiven Entschlusses, sondern vom Geschick der Entbergung selbst abhängig. Die Gefahr, die von der Technik ausgeht, ermöglicht für Heidegger jedoch auch, dass das Seinsverständnis sich vom technischen Denken zum Seinsdenken ändert. Er zitiert Hölderlin: „Wo aber Gefahr ist, wächst / Das Rettende auch.“
Ein fruchtbarer Weg bestand gemäß Heidegger zum einen darin, die Technik allgemein mit der Kunst zu vergleichen und so Unterschiede in der Weltauffassung sichtbar zu machen, zum anderen bemühte er sich insbesondere, der Dichtung neue Möglichkeiten des Weltbezuges abzugewinnen.

5. Kontextualisierung: Zentraler Gegenstand in Raum/Zeit

Die Schrift „Holzwege“ entstand in Nazi-Deutschland während des zweiten Weltkrieges. Die konservative Gesinnung des nationalsozialistischen Regimes bietet einen Kontext in dem sich Heideggers denken ohne Widerstände einfügen konnte.
1938 Entdeckung der Kernspaltung durch Otto Hahn, Fritz Strassmann und Lise Meitner. (1944 Verleihung des Chemie-Nobelpreises)

6. Kontextualisierung: Bestimmung des Autors

1933 sah Heidegger in dem politischen Umschwung neue Möglichkeiten zur Veränderung. Er wollte sich einschalten, und es schien ihm geboten, die Entwicklung mitzugestalten. Am 21. April 1933 wurde Heidegger Rektor der Freiburger Universität. In die NSDAP trat Heidegger am 1. Mai 1933 ein und blieb bis Kriegsende Mitglied. Für Professoren gab es keinen Zwang zur Parteimitgliedschaft, während andere Beamte zum Eintritt in die NSDAP verpflichtet waren.
Während seines Rektorats beteiligte sich Heidegger an Propaganda und Gleichschaltungspolitik der „Bewegung.“ Zwar untersagte er als Rektor Bücherverbrennungen an der Universität und die Aufhängung des „Judenplakates“, andererseits unternahm er nichts, um die zunehmenden antisemitischen Ressentiments an der Universität einzudämmen. Nach einem fachlichen Streit 1931 mit seinem Kollegen Eduard Baumgarten denunzierte Heidegger diesen 1933 bei der nationalsozialistischen Professorenschaft.
Am 27. April 1934 trat Heidegger vom Amt des Rektors zurück, da seine Hochschulpolitik weder an der Universität noch bei der Partei genügend Unterstützung fand. Der Grund war nicht – wie er dies später selbst darstellte –, dass er die nationalsozialistische Hochschulpolitik nicht mittragen wollte, vielmehr ging ihm diese nicht weit genug: Heidegger plante eine zentrale Dozentenakademie in Berlin. Alle zukünftigen deutschen Hochschullehrer sollten in dieser Akademie philosophisch geschult werden.
Von nun ab widmete er sich nur noch der Lehre und Forschung. Heidegger selbst berichtete, er sei nach seinem Rücktritt vom Rektorat von der Partei überwacht worden, und einige seiner Schriften seien nicht mehr im Handel erhältlich gewesen oder nur noch unter der Ladentheke ohne Titelblatt verkauft worden. Von 1935 bis 1942 war Heidegger Mitglied im „Wissenschaftlichen Ausschuss“ des Nietzsche-Archivs. Er trat jedoch 1942 ohne nähere Angabe von Gründen aus. Seine Kritik an der „Historisch-Kritischen Ausgabe“, die er dort hätte betreuen sollen, hat er später in seinem zweibändigen Nietzsche-Buch deutlich dargestellt.
1944 wurde er im Rahmen des Volkssturms zur Schanzarbeit eingezogen, da er bei der Dreiteilung der Dozentenschaft in Ganz-Entbehrliche, Halb-Entbehrliche und Unentbehrliche in die Gruppe der Ganz-Entbehrlichen fiel.
Ihm Rahmen des Entnazifizierungsprogramms hatte die philosophische Fakultät der Universität Freiburg im September 1945 ein Gutachten gefertigt, daß sich für eine Emeritierung Heideggers mit beschränkter Lehrbefugnis aussprach. Am 19. Januar 1946 beschloß der Senat die Emeritierung und den Entzug der Lehrbefugnis. Am 5. Oktober 1946 stellte auch die französische Militärregierung klar, dass Heidegger weder lehren noch an irgendwelchen Veranstaltungen der Universität teilnehmen dürfe.
1946 erlitt Heidegger einen körperlichen und seelischen Zusammenbruch. Nachdem er sich wieder erholt hatte, nahm Jean Beaufret mit einem Brief Kontakt zu ihm auf. Darin stellte er Heidegger die Frage, wie nach den Ereignissen des Zweiten Weltkriegs dem Wort „Humanismus“ noch ein Sinn gegeben werden könne. Heidegger antwortete mit dem „Brief über den »Humanismus«“, der auf große Resonanz stieß: Heidegger war zurück auf der philosophischen Bühne.
Das Lehrverbot endete am 26. September 1951 mit Heideggers Emeritierung. Die Rezeption von Heideggers Werken war nach dem Krieg schwer belastet durch seine Verstrickung in das nationalsozialistische Regime während des einjährigen Rektorats und sein späteres Schweigen in der Öffentlichkeit.

7. These zum Text

Heidegger zeigt auf  dass verschiedene Wahrheiten existieren können und diese durch die vorherrschende Metaphysik beeinflusst werden. In Vergleichen zwischen der antiken, der mittelalterlichen und der neuzeitlichen Metaphysik zeigt er den Individualisierungsprozess der Menschheit auf. Er stellt fest dass die neuzeitliche Metaphysik stark von den Naturwissenschaften geprägt ist, welche wiederum auf Zahlen und Mathematik aufgebaut sind. Weiter meint Heidegger orientiere sich der Mensch in der neuzeitlichen Metaphysik immer mehr an bildlichen Vorstellungen.

8. Künstlerische Position:
J. C. F. Hölderlin

Johann Christian Friedrich Hölderlin (* 20. März 1770 in Lauffen am Neckar; † 7. Juni 1843 in Tübingen) zählt zu den bedeutendsten deutschen Lyrikern. Sein Werk nimmt in der deutschen Literatur um 1800 eine selbständige Stellung neben Weimarer Klassik und Romantik ein. Da er von den Eltern zum Theologen bestimmt war, besuchte er das Seminar in Maulbronn, von 1788 bis 1793 studierte er am Theologischen Seminar in Tübingen. Hölderlin war mit Hegel und Schelling befreundet. Er hatte eine wachsende Abneigung gegen den Pfarrerberuf und wurde 1793/94 auf Empfehlung von Schiller Hauslehrer bei Charlotte von Kalb in Waltershausen, Thüringen. 1794 besuchte er die Universität in Jena. Er erhielt 1796 eine Stelle als Hauslehrer bei dem Frankfurter Bankier Gontard. Die schwärmerische Liebe zu dessen Gattin Susette (die von dieser erwidert wurde) endete, weil Gontard die Trennung der beiden erzwang. Nach verschiedenen Reisen und Anstellungen als Hauslehrer verschaffte ihm sein Freund, der Hessen-Homburger Regierungschef Sinclair, 1804 eine Stelle als Hofbibliothekar; das Gehalt zahlte Sinclair aus eigener Tasche. Im August 1806 schrieb Sinclair an Hölderlins Mutter, er könne für seinen Freund nicht mehr sorgen. Am 11. September wurde Hölderlin zuerst unter dem Vorwand, Bücher für die landgräfliche Bibliothek zu kaufen, dann schließlich mit Gewalt von Homburg nach Tübingen in das von Johann Heinrich Ferdinand Autenrieth geleitete Universitätsklinikum geschafft. Spätestens von diesem Zeitpunkt an galt Hölderlin als wahnsinnig. Die genaue medizinische Bestimmung seiner geistigen »Verrückung« war lange Zeit äußerst umstritten, und diese Frage ist auch heute noch nicht geklärt. 1807 kam er zur Pflege in den Haushalt Ernst Zimmers, eines Tübinger Tischlers und Bewunderers des Hyperion. Unter dem Namen „Scardanelli“ schrieb er weiterhin eigentümlich formale Gedichte. In den folgenden 36 Jahren wohnte Hölderlin im Haus Zimmers in einer Turmstube oberhalb des Neckars (Hölderlinturm), versorgt von der Familie Zimmer bis zu seinem Tod 1843.

An die Deutschen

Spottet nimmer des Kinds, wenn noch das alberne
Auf dem Rosse von Holz herrlich und viel sich dünkt,
O ihr Guten! auch wir sind
Thatenarm und gedankenvoll!

Aber kommt, wie der Stral aus dem Gewölke kommt,
Aus Gedanken vieleicht, geistig und reif die That?
Folgt die Frucht, wie des Haines
Dunklem Blatte, der stillen Schrift?

Und das Schweigen im Volk, ist es die Feier schon
Vor dem Feste? die Furcht, welche den Gott ansagt?
O dann nimmt mich, ihr Lieben!
Daß ich büße die Lästerung.

Schon zu lange, zu lang irr ich, dem Laien gleich,
In des bildenden Geists werdender Werkstatt hier,
Nur was blühet, erkenn ich,
Was er sinnet, erkenn ich nicht.

Und zu ahnen ist süß, aber ein Leiden auch,
Und schon Jahre genug leb’ ich in sterblicher
Unverständiger Liebe
Zweifelnd, immer bewegt vor ihm,

Der das stetige Werk immer aus liebender
Seele näher mir bringt, lächelnd dem Sterblichen
Wo ich zage, des Lebens
Reine Tiefe zu Reife bringt.

Schöpferischer, o wann, Genius unsers Volks,
Wann erscheinest du ganz, Seele des Vaterlands,
Daß ich tiefer mich beuge,
Daß die leiseste Saite selbst

Mir verstumme vor dir, daß ich beschämt
Eine Blume der Nacht, himmlischer Tag, vor dir
Enden möge mit Freuden,
Wenn sie alle, mit denen ich

Vormals trauerte, wenn unsere Städte nun
Hell und offen und wach, reineren Feuers voll
Und die Berge des deutschen
Landes Berge der Musen sind,

Wie die herrlichen einst, Pindos und Helikon,
Und Parnassos, und rings unter des Vaterlands
Goldnem Himmel die freie,
Klare, geistige Freude glänzt.

Wohl ist enge begränzt unsere Lebenszeit,
Unserer Jahre Zahl sehen und zählen wir,
Doch die Jahre der Völker,
Sah ein sterbliches Auge sie?

Wenn die Seele dir auch über die eigne Zeit
Sich die sehnende schwingt, trauernd verweilest du
Dann am kalten Gestade
Bei den Deinen und kennst sie nie,

Und die Künftigen auch, sie, die Verheißenen
Wo, wo siehest du sie, daß du an Freundeshand
Einmal wieder erwarmest,
Einer Seele vernehmlich seist?

Klanglos,        ists in der Halle längst,
Armer Seher! bei dir, sehnend verlischt dein Aug
Und du schlummerst hinunter
Ohne Namen und unbeweint.

Bild, Schrift, Zahl – Zeitleiste

04ishangobonegraphik

Ishango Bone


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