Archive for April, 2009

Garten, Heim und Mutter

Mumford Lewis “Mythos der Maschine” 1966/64
Fankfurt a. M., Fischer, 1977

Mir gefällt besonders die These von Mumford im Abschnitt “Der Einfluss des Gartens”, wo er beschreibt wie die Schönheit der Pflanzenwelt die Menschen beeinflusst hat und zur Handwerkskunst animierte. Die Blumen und Pflanzen weckten das Interesse und Neugier im Menschen und fingen an sie zu beobachten und zu pflegen. In den meisten Fällen geschah dies wegen ihrer Schönheit und ihrem Duft und erst in zweiterlinie wegen ihrem Nutzen als Nährpflanzen. Die Blüten dienten als Schmuck und waren auch fester Bestandteil von religiösen Ritualen.

Die Schönheit kam also vor dem Nutzen. Diese These von Mumford unterstreicht seine Gesamtaussage, wie elementar die Kunst für den Menschen ist. Da die Menschen unter gegebenen Umständen (Domestizierung) recht intuitiv begannen sich mit Schönen Dingen zu beschäftigten wie töpfern, sich schmücken und die Luft zu parfümieren.

Bei diesem Kapitel befinden wir uns im Neolithikum bzw. der Jungsteinzeit. Das Neolithikum wird in verschiedene Abschnitte unterteilt welche zwischen 9500-5500 v. Chr. statt fanden. Das Kennzeichnende dieser Epoche ist der Übergang von Jäger- und Sammlerkultur in sesshafte Bauern einer Dorfgemeinschaft mit domestizierten Pflanzen und Tieren. Kennzeichnende Werkzeuge der Epoche waren keramische Gefässe, und die Axt mit geschliffener Steinklinge. Durch die Domestizierung war es für die Frauen nicht mehr nötig den ganzen Tag auf Sammeltour zu sein, sie konnten sich in der Gruppe austauschen und Ihr Know-How zwischen den Generationen weitergeben. Sie konnten neben dem gerben und steineschleifen, was eher monotone arbeit war, einen Ausgleich finden in ihrer Kreativität, denn von nun an hatten sie rein organisatorisch die Zeit dazu.

Ein Garten wie er heute in der Schweiz häufig zu sehen ist. Etwas schrullig vielleicht, aber dennoch der Garten ist das Reich von Mutter Natur und bedeutet Pflege, Heilkunde, Hexerei, Tod, Überleben, Fruchtbarkeit, Weiblichkeit und Schönheit und der Anfang empirischer Forschung. Wer von Gärten fasziniert ist findet als Mann wie auch als Frau Zugang auf empirische oder auch auf esoterische Weise. Es gibt auch heute noch Bauern die die Sache ganzheitleich angehen und Ihre Saaten und Ernten nach Mondphasen ausrichten.

Dazu ein kleiner Diskurs: :)

http://www.schweizerbauer.ch/htmls/artikel_17259.html

Bild, Schrift, Zahl: Stöcke, Knochen, Zeichen

02luciano-fabro-0031

Luciano Fabro : La Luna, 1997. Marmor (Portofino), 486 x 56 cm (Durchmesser Sockel)

More >

Magie der Zahl: Ernst Cassirer

More >