Baustelle

Tobias Wirz: Romantinimal Flow

«Auf dieselbe Art, wie wir unser Denkorgan in beliebige Bewegung setzen — seine Bewegung beliebig modifizieren — dieselbe und ihre Produkte beobachten — und mannigfaltig ausdrücken — auf dieselbe Art, wie wir die Bewegungen des Denkorgans zur Sprache bringen — wie wir sie in Gebärden äußern — in Handlungen ausprägen, wie wir uns überhaupt willkürlich bewegen und aufhalten — unsre Bewegungen vereinigen und vereinzeln — auf eben dieselbe Art müssen wir auch die innern Organe unsers Körpers bewegen, hemmen, vereinigen und vereinzeln lernen. Unser ganzer Körper ist schlechterdings fähig, vom Geist in beliebige Bewegung gesetzt zu werden. Die Wirkungen der Fucht, des Schreckens — der Traurigkeit, des Zorns — des Neides — der Scham, der Freude, der Phantasie usw. sind Indikationen genug —. Überdem aber hat man genugsam Beispiele von Menschen — die eine willkürliche Herrschaft über einzelne, gewöhnlich der Willkür entzogene Teile ihres Körpers erlangt haben. Dann wird jeder sein eigner Arzt sein — und sich ein vollständiges, sichres und genaues Gefühl seines Körpers erwerben können – dann wird der Mensch erst wahrhaftig unabhängig von der Natur, vielleicht imstande sogar sein, verlorne Glieder zu restaurieren sich bloß durch seinen Willen zu töten, und dadurch erst wahre Aufschlüsse über Körper — Seele — Welt — Leben — Tod und Geisterwelt zu erlangen. Es wird vielleicht nur von ihm davon abhängen einen Stoff zu beseelen — Er wird seine Sinne zwingen ihm die Gestalt zu produzieren, die er verlangt — und im eigentlichsten Sinn in seiner Welt leben können. Dann wird er vermögend sein sich von seinem Körper zu trennen — wenn er es für gut findet — er wird sehn, hören — und fühlen was, wie und in welcher Verbindung er will.»

(Novalis. Frankfurt/M.: Fischer, 1956, S. 199)

Flow infinitely – Are we humans, or are we dancers?

Wer hat sich schon einmal in einem Club in die «nächste Sphäre» getanzt? Wenn ich Sphäre schreibe, dann meine ich ungefähr das hier. Ohne Drogen ist es: Kristallklar. Mit Drogen: Unscharf, aber wahrnehmbar. Ich kann mich an einen Moment erinnern, den ich als den mit Abstand grössten Summanden aus einer Addition von Erfahrungen bezeichnen möchte. Es war in einem Club an der Birchstrasse in Zürich Oerlikon: Im «Birchermüesli». Während einer Zeit des Aufbruchs, der Abreise. Das Schiff stand bereit, die Kamine rauchten, an Deck wurden Cocktails gereicht und das Schiffshorn blies neue, filigrane Töne. Es war die Zeit des minimal. Eine Musik, zu der der Musikjournalist Philip Sherburne schrieb: «Minimal Techno corkscrews into the very heart of repetition». Für meine Erzählung wichtig ist auch das Statement von Robert Hood: «A basic stripped down, raw sound. Just drums, basslines and funky grooves and only what’s essential. Only what is essential to make people move. I started to look at it as a science, the art of making people move their butts, speaking to their heart, mind and soul. It’s a heart-felt rhythmic techno sound.»

Gut, lasst uns erste Tanzschritte wagen: Um dorthin zu gelangen, wo mein Text hinführt oder hinführen möchte, muss man verstehen, nein begreifen (also mit geistigen Fingern das Fluidum anfassen, es drehen und wenden, drücken und reiben, «haptisch» erfahren!) was Flow ist. Feststellung 1: Mit Flow ist keineswegs das deutsche Wort Fluss oder Strom gemeint, da diese Begriffe im deutschen sehr viel und sehr merkwürdig verwendet werden bzw. die eine oder andere Sache verkehren. Mir war beispielsweise nie klar, wie man von Warenflüssen und Geldströmen reden kann. Meiner Ansicht nach sind das lediglich mechanische Verschiebungen in fein verästelten Bronchialsystemen. Dieser Begriffsirrtum erschloss sich mir eines morgens, als ich mit meinem Velo an der Spitze  eines durch einen geschlossenen Bahnübergang unterbrochenen Verkehrsflusses stand und warten musste, bis der beeindruckend lange Güterzug durchgefahren war. Flow ist etwas ganz anderes. Feststellung 2 (und dann höre ich auf, Dinge fest zu stellen): Dass ich Flow mit der Form des Textes (der These, des Theorems) begreiflich machen möchte, ist kühne Einfalt!

Wenn man sich hier im VMK mit jemandem über die Freiheit unterhalten möchte, die in der Repetition zu finden ist, der soll Alexander Tuchacek darauf ansprechen. Er denkt sehr schnell und zuweilen ist es, als renne man in einem Maisfeld einem Hasen hinterher. Aber aus einer völlig anderen Ecke kommt von Alexander etwas absolut Kongruentes zu dem, was ich von der anderen Sphäre zu berichten habe. Am besten man hört sich mal dieses Musikstück an und kehrt dann wieder zum Text zurück.

Was passiert nun auf der Tanzfläche? Das muss ich vereinfachen: Das Monotone eröffnet eine Ebene universaler Freiheit (univers; «in eins gekehrt»). Alles ist möglich. Ein Zustand der Schwerelosigkeit. Schwer zu beschreiben. Kid David von der Legion of Extraordinary Dancers, von der wir gleich noch mehr hören, sagt über seinen Tanz folgendes:

«It’s kinda like, a lot of times, I don’t know whats going on when iam dancing cause on that point it’s just realy like it’s my body in the music, it’s not realy a concious decision «iam gonna do this, next iam gonna do this». It’s kind of like this other level where you can’t make choices anymore, it’s just your body reacting to certain sounds in the music.»

Es gibt diese junge Generation (obwohl – von einer Generation zu sprechen ist falsch), also diese Kids (und mit Alter hat das nichts zu tun) überall auf dem Planeten, die entdecken ebendiesen Flow, den es eigentlich schon immer gibt und der reine Bewusstheit ist. Für mich als professionellen Full-contact-street-cyclist gibt es zwei Seiten: Die eine hockt zwischen den Arschbacken schwitzend in einer Trivialisierungsmaschine und hupt und stösst und flucht. Die andere ist Empfindungskörper durch und durch und flowt durch die Häuserschluchten. Wer etwas von Flow wissen will, der fängt damit an, Freestyle zu betrachten.

TED-Talk über die Legion of Extraordinary Dancers

Was hat Flow nun mit Romantik zu tun? «Fenster als Schnittstellen». Vereinfachen wir das Ganze und nehmen unsere «Fenster zur Welt», die Augen. Weiten wir das Ganze aus und denken unseren Körper mit, unsere Sinne, unseren Geist, schlicht unsere Wahrnehmung in ihrer Ganzheit. Neue Menschen (an vorderster Front «die Freestyler») entdecken eine Welt vor der Konstruktion. Über ihr. Sie entdecken ihr Bewusstsein als Interface zu dieser Welt, werden selbst zu Kirchen. Sie sind in den Momenten, wo es «flowt» absolut präsent in der Gegenwart. Das Gedankenkonstrukt Zeit wird in ihren Händen zu einem formbaren Energieball. Sie versuchen weder den Beton zu bemoosen, noch ihn zu sprengen. Sie bauen damit Flugmaschinen!

Wann ist das letzte Mal etwas so kraftvolles aus dem «regulären» Kunstbetrieb herausgebrochen?

«Flow infinetly (…)» Jay Z – Hard Knock Life (Ghetto Anthem)

«Are we human, or are we dancers?» The Killers – Human

Mythos der Maschine – Finder und Erzeuger, Dave Bopp

Mumford, Lewis, Mythos der Maschine, Wien, 1974, Europa Verlag
Kapitel 4, Finder und Erzeuger, S. 121-152

Mumford setzt seine Jagd nach angebrannten Theorien über das Verhältnis zwischen Werkzeug und Geist des Frühmenschen fort. Die unterschätzte Relevanz des Geistes wird nun aber mehr von konkreterem “Bewiesmaterial” gestützt und es werden tiefe Einblicke in ein komplexes Netz von Zusammenhängen zwischen archäologischem und psychologischem Forschen im Paläolithikum offenbart.
Beginnend mit einer “was wäre wenn” Frage, wobei nicht die Frage selbst beantwortet wird, sondern vielmehr geschildert wird, wie das “wenn” verhindert wurde, wird der zentrale Bestand dieses Kapitels, die Neugierde des Menschen, aufgegriffen. Ich finde es schön wie er das Zusammenspiel zwischen Inspiration, Verarbeitung und Schöpfung verbildlicht. Denn in seiner Formulierung wird man nur fern an die Funktionsweise einer Maschine erinnert. Da die Maschine auch nach dem “gibts Input gibts Output” Prinzip funktioniert, wäre ein solcher Vergleich naheliegend. Dennoch wird diese Gemeinsamkeit von der Selbstinitiative, dem innovativem Denken und dem Interesse des Menschen übertrumpft (Zitat: “Er (der Mensch) roch und schmeckte, suchte und sammelte, verglich und wählte aus.” S. 125).

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VL: MS: Verschmutzungsrechte – “World Overshoot Day – oder “Evolution in Action”

„Verschmutzungsrechte“ – oder es gibt auch ein Recht auf CO2. „Die Verschmutzungsrechte können Schweizer Unternehmen untereinander handeln oder sie handeln sie international als Aktie wie an einer Börse.

(SF 1/ECO/3.3.2008)

Nachhaltigkeit


„Globaler Fussabdruck“
„Seit Mitte der achtziger Jahre verbrauchen wir mehr Ressourcen, als die Erde regenerieren kann, derzeit überzieht die Menschheit ihr Konto jedes Jahr um rund 30% – letztes Jahr war es der 6. Oktober, an dem wir einmal mehr unsere ökologischen Unschuld verloren haben […]“. Mathis Wackernagel, Gründer von Global Footprint Network (Oakland), die einen Wirtschaftsindex entwickelt hat, welcher den Umgang der Menschen mit den natürlichen Res-sourcen messen soll.
(Der Fussabdruck der Schweiz ist dreimal so gross wie ihre Biokapazität – persönlicher Fussbadrucks berechenbar unter: www.footprintnetwork.org).
(Wackernagel, Mathis: Leben auf zu grossem Fuss. In: NZZ am Sonntag. Nr.5, 3.2.2008, S.67).

Es lässt mich aber auch vermuten, dass Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen – und all die „Geldgebenden“ und Initianten, welche zum Beispiel die Pflanzensamendaten in Spitzbergen angelegt haben, mehr von herzustellenden Kunstgriffen, „Kunstwerken“ um- und an-getrieben werden, denn von ökologischer Überlebenshilfe gerade der vor allem fokusierten sog. Dritten Welt. Dies als äusserst reizvoller Ausbruch und Idee „eines Modells, dass umso besser ist, desto intensiver erlebbarer, und nicht je wahrer es ist.“ [...] „Wir sind uns bewusst, dass wir in einem allerdings noch ungeklärten Sinn alles selbst modellieren, was wir erleben, und dass wir es auch anders modellieren könnten; das Universum, in welches wir von nun an getaucht sind, diese Geschwirr von Punkten im Nichts, ein Brei von Möglichkeiten ist, die wir zwar seit uralter Zeit so und nicht anders modellieren, aber die wir auch ganz anders modellieren könnten. [...] Wir erkennen uns selbst als Künstler und die uns umgebende Welt als Kunstwerk.“
(Flusser, Vilém: Die Lücken. In: Lob der Oberflächlichkeit. Bensheim und Düsseldorf. Boll-mann Verlag GmbH. 1993. S.35-46).

beuys_objekte.jpg Darstellung mit kritischen (-) Objekten, 1957, Beuys

Vielleicht sind hier Parallelen zu Herbert A. Simon auszumachen, der da von Zeitperspektive, die Zukunft diskontieren schreibt – was er als Glück bezeichnet – „durch intensives Diskon-tieren der Ereignisse, ihre Verdünnung proportional zu ihren Entfernungen in Raum und Zeit, reduzieren wir unsere Auswahlprobleme auf das Mass unserer beschränkten Berechnungs-kapazität.“ [...] „Insofern, als das Netz aus Ursache und Wirkung dichter wird, belasten wir unsere Planungs- und Entscheidungsverfahren schwer, um diese entfernte Wirkung in den Griff zu bekommen. Es herrscht ein ständiger Wettlauf zwischen jenem Teil unserer neuen Wissenschaft und Kenntnis, der uns zu weiteren Ausblicken befähigt, und dem Teil, der uns befähigt, mit dem was wir sehen, richtig umgehen zu können. Und wenn wir der Technologie manchmal pessimistisch gegenüberstehen, so deshalb, weil wir gelernt haben, weiter zu schauen als unsere Werkzeuge reichen.“
(Simon, Herbert A: Gesellschaftsplanung. In: Die Wissenschaften vom Künstlichen. Wien. Springer-Verlag. 1994. S.134-137)

beuys_egg.jpg

The Difficulty of Producing an Egg, 1968, Beuys

Was wäre Natur? „[...] unter Natur ist die Summe jener Dinge und Prozesse zu verstehen, die sich dem menschlichen Zutun und Wegtun entziehen: alle die Dinge und Prozesse, die sind, was sie sind und tun, was sie tun, ohne dazu von Menschenhand abzuhängen. Dazu hätte man aber zugleich, komplementär, Kultur als dasjenige bestimmt, was in unseren Mächten steht [...]. Konsequenterweise könnte man dann schliessen, dass bis auf einen kaum definierbaren Bruchteil der Welt alles um uns und alles in uns, vom Weltall bis zum Gefüge unseres Genoms, Natur ist, nicht von uns gemacht und nicht von uns beherrscht. Und doch kann heute jeder aus den Medien und aus eigener Erfahrung wissen, dass wir dabei sind, unsere Lebenswelt kontinentweit, selbst planetarisch so zu verändern, dass bei Projektion der Trends in absehbarer Zukunft die Lebensgrundlage der Menschheit als Gat-tung auf dem Spiel steht. [...] Sagen wir also, die soeben vorgeschlagene Definition von Na-tur sei selbst ein kulturelles Artefakt [...].“
„Natur als das Andere zu aller menschengemachten Verfassung und Geschichte, als Gren-ze, gegen die sich die Zivilisation nur behaupten kann, indem sie die Natur zurückdrängt, ausgrenzt und beherrscht […]. Die Bedingung jeder Herrschaft ist die Nichtzugehörigkeit. […] Mit der Beschleunigung der naturhistorischen, nicht umkehrbaren Veränderung der Erdober-fläche und Atmosphäre von einer evolutionären zu einer historischen Geschwindigkeit, mit dem Gewahrwerden, dass unsere menschheitlichen Aktionen sich im naturhistorischen Massstab als Waldsterben, als massives Verschwinden von Arten, als globaler Klimawandel auswirken, tritt zugleich eine grundlegende Änderung in unserem Bild von der Natur ein. Die Natur muss sich verändern, damit sich unser Naturbild verändert. Konnte bislang, jedenfalls seit Mitte des 19. Jahrhunderts, der ökologische Evolutionsprozess allenfalls aus dem er-schlossen werden, was er an archäologischen Spuren zurückliess, so spielt er sich nun als irreversibler Vorgang vor unseren Augen ab, als „Evolution in Action“ […].“
Natur ist zur vordringlichen technologischen Aufgabe geworden, Technologie zu einer ökolo-gischen Aufgabe.
Heute geht es darum, die Bedingungen der Möglichkeit zu erhalten, dass solche Pflanzen überhaupt noch irgendwo wachsen können. Die globalen Mischwesen wie Luftverschmut-zung, saurer Regen, Überdüngung sind heute überall. Aber alle Massnahmen bleiben an lokale Netze gebunden, und globale Effekte sind Summen, wenn auch in der Regel Über-summen von lokalen Massnahmen. Immer geht es um die Erhaltung von Spuren.“
(Rheinberger, Hans-Jörg: Natur, NATUR. In: Iterationen. Merve Verlag Berlin. 2005. S.30-35.)

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8#Die ganz persönliche Metamorphose von Nr. 8…..magie15.mov magie1.mov grosse Dateien / magie13.mov#8

3#Early goodmorning, Vietnam. Kommunikation per Maschine. Sprachlos, da wortlos, sprachlos auch über Touristen, welche die Einheimischen als zoologisch abzukategorisierende Wesen behandelten, denen sie Zückerchen austeilten für ein Bild, suchte ich eine zittrig stotternde Kommunikation über die Maschine. Das Display den Menschen zugewandt, liess ich ihnen die Möglichkeit, selbst zu bestimmen, was sie von sich mir mitteilten. Dadurch gewann ich eine einmalig poetische Kommunikationsform, die mich für die oft fragwürdige Bildqualität entschädigte, ja, es will mir scheinen, dass letztere eine eigene Qualität gewann.

Kommunikation Dank der Maschine.#3

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3#
Fadensonnen
über der grauschwarzen Ödnis.
Ein baum-
hoher Gedanke
greift sich den Lichtton: es sind
noch Lieder zu singen jenseits
der Menschen.

Paul Celan – Atemwende, 1967
#3

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4#
rhizom - seid Vielheiten
«Das Buch ist kein Wurzel-Baum, sondern Teil eines Rhizoms, Plateau eines Rhizoms für den Leser, zu dem es passt. Die Kombinationen, Permutationen und Gebrauchsweisen sind dem Buch nie immanent, sondern hängen von seinen Verbindungen mit diesem und jenem Aussen ab. . . . Macht Rhizome und keine Wurzeln! Seid nicht eins oder viele, seid Vielheiten!» (Deleuze/Guattari)4#

3#[061209 - 21:23] “The molecular has the capacity to make the elementary comunicate with the cosmic …. The same thing that leads a musician to discover the birds also leads him to discover the elementary and the cosmic. Both comine to form a block, a universe fiber, a diagonal or complex space…. human beings are hardly at an advantage, except in the means of overcoding, of making punctual systems.” Deleuze and Guattari, A Thousand Plateaus, Becoming-Intense, Becoming-Animal, Becoming-Imperceptible…340f. Der Musiker ist zugleich Vogelstimmsammler-Forscher-Archivar; er holt die Reverenz nicht in sich – dem Ur -, nicht in der Historie und Mythologie, sondern im Klang des anderen, des Wesens, dessen Bauplan niemals dem unseren vergleichbar ist. Er, der Mensch, wird nicht selbst zum Mischwesen, jedoch nestelt er seinen Ausdruck zu einem Ganzen, das sich aus den expressiven Bedingungen zweier unterschiedlicher, sich unverständlich bleibender Wesen ergibt.3

3#[061209 - 21:56]
redlobster.jpg

“God is a Lobster.” Deleuze and Guattari, A Thousand Plateaus, 10,000 b.c.: The geology of morals (who does the earth think it is?), 45.#3

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4#
AndereMovie
Ich bin ein Anderer im modernen Werk, das was der Kopf ist, die Steuerung, nicht Kopflos sein, das mehrere ist das Sein.4#

8#„Eine Ästhetik der Verletzbarkeit“ – die Organveränderung, -erweiterung, die herbeigeführt wird, um ein Subjekt mit neuen Fähigkeiten / Möglichkeiten auszustatten, geht immer von einer „forma substantialis“, von einer ursprünglichen Bestimmung des Seins aus. 8#3 Schön, der Begriff einer “Aesthetik der Verletzbarkeit” – noch schöner wäre wohl eine des “Verletzlichen”. Denn dies stünde im Gegensatz zur Klassik, welcher unser Wissensverhalten noch immer eingedenk ist: Erhaben, die Natur sich Untertan machen, sich selbst durch Bildung und Technik die Welt unter zu ordnen. Das Verletzliche jedoch in den Vordergrund zu stellen, hiesse sich anzunehmen, wie man ist – also die vielberufene Selbstverantwortung anstelle des frisierten Menschenmotors.#3

4#
mandelbrot-fraktale
Jede Person als fest gefügte Einheit gedacht, die Person wird zur Baustelle, selbst die Sprache des Subjekts wird zur Baustelle, an der Sprache des Subjekts selbst arbeiten. Die Person besteht darin ihre Sprache zu finden.
mandala-aboriginals
4#

8#Aristoteles spricht von Wirklichkeit und Möglichkeit. „Die Möglichkeit ist gewissermassen das Sein der Anlage nach, das noch unbestimmte, unentwickelte Sein, welches in sich die Möglichkeit zu einem bestimmten Sein hat. [...] Die Wirklichkeit hingegen ist das entwickelte Sein, das seinen möglichen Inhalt ins Dasein überführt hat. [...] Das heisst in dem was werden soll, ist die Anlage zu dem, was es werden soll, schon gegeben. Diese Anlage aber ist mehr als nichts und ist doch nicht schon die Wirklichkeit, die erst werden soll.“ (Aristoteles. “Actus und potentia”. Die Metaphysik der Antike. S. 86).
Bei Cassirer wird die Möglichkeit zu einer neuen Dimension der Wirklichkeit.#8
3#Möglichkeit bedeutet, eine Wahl zu haben, somit einen Sinn.#3

3#[061209 - 16.28] Cassirer zu mythischem Denken und der ihm immanten Möglichkeiten: “Seine [des primitiven Denkens] Lebensauffassung ist synthetisch, nicht analytisch. Das Leben wird nicht in Kategorien und Unterkategorien geteilt; es wird als ein ungebrochenes, kontinuuierliches Ganzes empfunden, das eindeutige, präzise Unterscheidungen nicht zulässt. Die Grenze zwischen den verschiedenen Sphären sind nicht unüberwindliche Barrieren; sie sind flüchtig und fliessend. Zwischen den verschiedenen Lebensbereichen gibt es keine spezifische Differenz. Nichts besitzt eine feste, unveränderliche, statische Gestalt. Durch eine plötzliche Metamorphose kann sich jedes Ding in jedes andere Ding verwandeln.” Versuch über dem Menschen, S130. Die Verwandlung ist also ein aktiver Prozess des Subjekts – sei es menschlicher oder anderer Wesensart. Das einzelne Wesen basiert nicht auf statischen, sondern grundlegenden Prinzipien, die sich in die Bewegung des Kosmos einspielen: “Charakteristisch für das Denken des Primitiven ist nicht seine Logik, sondern sein allgemeines Lebensgefühl. Der Primitive betrachtet die Natur nicht mit den Augen eines Naturforschers, der die Dinge klassifizieren will, um seine intellektuelle Neugier zu befriedigen. Er tritt ihr nicht mit vorwiegend pragmatischen oder technischen Interesse entgegen…. Seine ganze Naturauffassung ist … sympathetisch.” ditto, 131.#3
4#
gutenberg-druckpresse
Mit der ”Bibel“, ”Finnegans Wak“ sind ”Differenzmaschinen“ geschaffen, bei der die Auseinandersetzung um ihre Deutung immer umstritten bleibt.#4

8#Somit kann gesagt werden, dass die innere und äussere Wandlung von Skywalker hin zur dunklen Macht als Möglichkeit stets vorhanden war. Gemäss Aristoteles streben alle Dinge einem Zustand zu, der ihr Ziel bedeutet, „dass alles, was sie vollbringen, bevor dieses Ziel erreicht ist, um dieses Zieles willen geschieht.“ Als Auslöser zur Metamorphose kann die Sorge um seine schwangere Frau Amidala gesehen werden, was ihm vom Zuschauenden Verständnis entgegenbringen lässt und ihm sogleich einen Teil der Verantwortung entzieht und sein Verhalten vielleicht sogar legitimiert. 8#3 Hat die Psychologie das Böse nicht abgeschafft? Schon in Goethes Faust sagt Mephisto von sich, er sei “ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.” und nennt sich an einer anderen Stelle den Schalk.#3

8#Durch das Ersetzen der fehlenden Körperteile mit maschinenartigen Komponenten erlangt Vader nicht nur eine widerstandfähigere Körperlichkeit, sondern steigert durch seine metallischen Gliedmasse auch die Auswirkungen seiner auszuführenden Handlungen.

Die Vermischung/Erweiterung Mensch-Maschine basiert bei Lucas auf den Eigenschaften menschliche Triebe, Emotionen) des Menschen, welche zugunsten einer Mechanisierung und Vereinfachung seines Wesens und seines Handlungsradius reduziert werden. Diese Reduktion bringt eine Fokussierung auf sein vermeintliches Ziel mit sich. „Was die Entwicklung auf das Ziel hin bewirkt, ist das Ziel selbst. Das Ziel selbst gibt dem Wachsen die Richtung auf dieses Ziel hin. Alles bewegt sich also auf das Telos , das Ziel als ein Gut zu, als das dem jeweiligen Gegenstand angemessene Gute oder Beste. Das erste Gut aber, auf das ein Gegenstand/Subjekt gerichtet ist, ist die Erhaltung seiner eigenen Form.“ (Aristoteles)

So grenzt die Mechanisierung des Menschen – hier in Bezug auf George Lucas – nicht nur äusserlich ab, sondern passiert in erster Linie durch die Verschiebung der Eigenschaften. Durch die Einschränkung vermindert sich „des Chaos im Menschen“ und seine Handlungen erfahren weniger Ablenkung, geschehen Reflex-, Affektartig und somit unmittelbarer. Dies steigert in diesem „automatisierten“ Bereich zwar die Effizienz und Durchschlagskraft, ermöglicht durch den vorgegebenen Handlungsstrang aber auch keine Weiterentwicklung. (Vielleicht müssten wir die Schuhe einmal auf eine andere Weise binden.)
„Die Repräsentation oder Wiedergabe eines Objekt/einer Handlung ist etwas ganz anderes als der blosse Umgang mit ihm/ihr. Dieser Umgang erfordert nichts weiter als eine bestimmte Reihe miteinander koordinierter oder einander folgender Handlungen und Körperbewegungen. Es ist eine Sache der Gewohnheit, die durch ständige Wiederholung bestimmter gleich bleibender Handlungen erworben wird.“ (Cassirer. Versuch über den Menschen. In: Die Welt von Raum und Zeit. S.78).

Dieses maschinelle „Nichtdenken“ könnte bei Cassirer mit der Definition „Wirknetz“ als organische Reaktion auf einen Impuls verstanden werden. Dem gegenüber zeichnet den nichtmechanisierte Menschen das Vermögen eines „Symbolnetzes“ aus, welches ihn Befähigt, die Konsequenzen seiner Handlungen als Möglichkeit zu denken und diese somit bewusst zu steuern. „Die physische Realität scheint in dem Masse zurückzutreten, wie sie Symboltätigkeit des Menschen an Raum gewinnt. [...] Statt mit den Dingen hat es der Mensch nun gleichsam ständig mit sich selbst zu tun. So sehr hat er (sie) sich mit sprachlichen Formen, künstlerischen Bildern, mythischen Symbolen oder religiösen Riten umgeben, dass er (sie) nichts sehen oder erkennen kann, ohne dass sich diese artifizielle Medium zwischen ihn (sie) und die Wirklichkeit schöbe.“ (Vgl. Cassirer. In: „Das Symbol als Schlüssel“). „Nicht die Dinge verstören und beunruhigen den Menschen, sondern seine Meinungen und Vorstellungen von den Dingen.“ (Epiktet. In: Cassirer. „Das Symbol als Schlüssel“).#8

4#
unendlichkeit ohne gott gedacht
Die Figur des Dädalus erscheint im Werden des Menschen als wandelbare Perspektive.
Giordano Bruno nennt sich selbst „Dädalus in der Technik der Vernunft“.
Er hat eine Unendlichkeit ohne Gott gedacht.#4

8#Hier können Verknüpfungen zu Ikarus und Daidalos Organerweiterungen und Flugversuche gesehen werden, die erst durch hypothetisch gedankliche Weiterentwicklung einer tatsächlichen Tatsache (Organismus Mensch, Fähigkeiten und Ausstattung Vogel), zu einer tatsächlichen Möglichkeit (Flugvermögen des gefiederten Menschen) gelangt.
Diese Funktionsweise des symbolischen Denkens dient auch als Grundlage für wissenschaftliches Vorgehen, welches stets ein hypothetisches, symbolisches Element voraussetzt, bevor daraus beobachtbare Tatsachen werden. Die Gedanken kommen keinen Schritt voran, wenn sich die Grenzen der wirklichen Welt nicht erweitern. „In der Idee leben, heisst das Unmögliche so behandeln, als wenn es möglich wäre.“ (Goethe. In: Cassirer. „Tatsachen und Ideen“).#8

4#
BoardRaum
Raum ist ein soziales Konstrukt.#4

8#Finnegans Wake liegt eine Idee von einer Mehrdimensionalität der Realität zugrund, die von unendlich vielen Gesichtspunkten und Perspektiven angeschaut werden kann. Bei Giordano Bruno ist das Universum beseelt „von einem unaufhörlichen Streben nach Verwandlung; jedes endliche Wesen bewegt sich in einem Drang zum Unendlichen auf neue Gestalten zu, und die Dialektik von Endlichem und Unendlichem verwirklicht sich allein und wahrhaft in dem unaufhaltsamen Prozess der kosmischen Metamorphose: jedes Wesen hat in sich seinen Keim für die zukünftigen Formen, die seine Unendlichkeit gewährleisten.“ (Bruno. In: Eco. „Das offene Kunstwerk“. Vgl. auch Argumentation Erläuterungen Ernst Cassirers).

In Finnegans Wake wird die Sprache zu einer unbestimmbaren Baustelle, bei welcher es nicht möglich ist, „die Bedeutung eines Wortes und sein Verhältnis zu allen anderen zu erhellen, wenn man nicht alle möglichen Erklärungen des Werkes gegenwärtig hat; und dennoch erhellt jedes Wort den Sinn des Buches, erschliesst eine bestimmte Perspektive auf es und gibt Sinn und Richtung für eine der möglichen Deutungen“. (Eco, Umberto. „Das offene Kunstwerk“).

Das Gelesene und Interpretierte ist somit nicht als Wahrheit zu verstehen, sondern vielmehr als wandelbare Perspektive.#8

4#
Steinzeit Werkzeug
Das der Abstand zwischen dem ersten Werkzeug und neuestem Werkzeug (Keule – Raumschiff), kleiner ist, als der Schritt aus der Zeit vor dem ersten Werzeug zum ersten Werkzeug. (Cassirer)#4

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8#Der unmögliche Tausch

Bisher sind alle Systeme gescheitert. Die magischen, metaphysischen oder die religiösen Systeme, die sich früher bewährt haben, sind ausser Gebrauch gekommen. Doch diese Mal scheint es, dass wir die entgültige Lösung, das definitive Äquivalent in Händen halten: die virtuelle Realität in all ihren Formen: das Digitale, die Information, die allumfassenden Computerisierung, das Klonen. Kurzum, die Bereitstellung eines derart vollkommenen virtuellen und technologischen Artefakts, dass die Welt sich gegen ihr künstliches Double austauschen kann.”8#3Perpetuum mobile?3#8#Baudrillard, Jean. Der unmögliche Tausch. (2000).8#
4#
Avatar
Man findet etwas vor und entdeckt etwas daran, daraus entdeckt man eine neue Möglichkeit damit umzugehen.4#

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4#
Landschaft mit Fall des Ikarus

Landschaft mit Fall des Ikarus”, 1558. Pieter Breughel d. Ä. (1525 – 1569) > Dädalus – Der Erfinder warnt Ikarus vor dem exzessivem Gebrauch, er selbst hält sich in der Mitte.
Drei Fragen:
Nenne ein Beispiel für Erfindung.
Nenne ein Beispiel für Entdeckung.
Welche Erfindung hat die Menschen am meisten verändert.4#

3Wie Mythen3#4Hello World4#3wandern: In der Völundarquida – Weilandsage – baut sich der Schmied Wölund einen Flugapparat im Sinne Daidalos’. Eine Darstellung dieses Eddaliedes findet sich auf Frank’s Casket; in ihr wird auch ein Apfelschuss in Tell’scher Manier beschrieben.

4#
schreibmaschine
«He was criticised for his handwriting, struggled at English, and even in mathematics he was too interested with his own ideas to produce solutions to problems using the methods taught by his teachers.» Touring maschine4#

3Bei Ovid lösen oft Gefühle Metamorphosen aus, zum Beispiel bei Echo.3#4In den Text von 3, einen Leseweise-Hinweise legen, den Definitionsversuch der Schreibweise unserer VielkopfAutorInnen Kürzel als Einschub setzten:4#3Cassirer schreibt über Gefühle: “Der Primitive drückt seine Gefühle und Empfindungen nicht in rein abstrakten Symbolen, sondern konkret und direkt aus, und wir müssen diesen Ausdruck als ein Ganzes erforschen, wenn wir die Struktur des Mythos und der primitiven Religion erschliessen wollen.” Versuch über den Menschen, S127.3#4″S C H R E I B R E G E L: # Raute Zeichen” zwischen die zwei ID-Ziffern 3#4…4#3 setzten, die #Raute kennzeichnet deutlicher einen Bruch/Einschub, Klammert zugleich die Zeichenfolge als Gruppe ein und lässt nach dem Einlesen die Zeichengruppe leichter Überlesen. Die #Raute verweist auf die Maschine. Referenzieren uns als Mensch-Maschinen Mischwesen und die InhaltsautorInnen 3=…, 4=Olivier, 5=Fabiana, 8=Monika sind.4#

8Das heisst, die bis anhin etwas gar verwirrlichen Voten können nur durch maschinelle Hand unterbrochen, ergänzt, widerlegt werden.8#3In den Voten ist derMensch in seiner Erfahrungswelt und der Art, Schwerpunkte zu setzen, zu vernetzen, klar ersichtlich: Ich erkenne dich, 4!3

3 [061206-13:04] im Tram den Wunsch nach einer “second nature” gehört, einem Automatismus, also einer maschinellen Handlungsweise des Ich, einem Ich, das zweigeteilt ist in Maschine und Mensch.3

4#
Der Mensch eine Maschine ist
Auch darüber Nachdenken ob man eine Maschine ist?4#

3Wake, die Totenwache, gael. Caoineadh Airt Uí Laoghaire3