Posts zu Lehrveranstaltungen von Prof. Dr. Nils Röller (Mediale Künste, DKM, ZHDK)
Medien
Einführung in die Medientheorie – Executive Master in Arts Administration (EMAA) – Universität Zürich: Neue Medien & Neue Räume
I Neue Räume und neue Zeiten
“Der Samstagsbummel der Zukunft beginnt auf dem Handy. Während wir durch die Fussgängerzone schlendern, tippen wir in unser Mobiltelefon, welches Produkt wir suchen. Eine Jeans zum Beispiel, aber bitte in der richtigen Grösse. Kurz darauf erscheint auf dem Display eine Karte, auf der verschiedene Geschäfte der Umgebung uns ihre Auswahl an passenden Hosen präsentieren, inklusive eines Rabattcodes. Als wir nach dem Einkauf hungrig sind, sehen wir uns erst einmal auf dem Handy an, was unsere Lieblingsrestaurants in der Umgebung auf der Tageskarte haben und wann der nächste Tisch frei wird. Weil unser Smartphone zeigt, dass ein guter Bekannter ebenfalls in der Gegend unterwegs ist, verabreden wir uns später und reservieren per Tastendruck. Die Zeit bis zu unserem Treffen überbrücken wir mit einem Museumsbesuch, nachdem unser Handy angezeigt hat, wie gross der Andrang in den umliegenden Ausstellungen ist.” Johannes Kuhn: “Sie wissen, wo wir sind – Das Geoweb ist eine Revolution des Alltags. Doch wenn uns das Internet überall hin folgen soll, können wir dem Netz auch nichts mehr verschweigen.” Süddeutsche Zeitung Nr. 126 (5./6. Juni 2010).
II Raum, Zeit, Medien
“The Medium is the Message” Herbert Marshall McLuhan: Understanding Media. Cambridge: MIT Press, 1994 [1964], p. 7 [Part I, chap. 1 ]
4 Mediengesetze
a.) Jedes bedeutendere Artefakt verstärkt bestimmte Prozesse.
b.) Jedes bedeutendere Artefakt lässt andere Prozesse veralten.
c.) Jedes bedeutendere Artefakt belebt einen Prozess der schon einmal veraltet war.
d.) Neue und grundsätzliche Formen tauchen immer dann auf, wenn frühere Formen gerade den Höhepunkt ihrer Entwicklung erreichen.
Philip Marchand: “Biografie IV – Gesetze der Medien”. In: Baltes und Höltschl: S. 205.
III Diskurs und Dialog
“Definiert man den Dialog als jenen Prozess, bei dem auf verschiedene Gedächtnisse aufgeteilte Informationen zu einer neuen Informationen synthetisiert werden, und stellt man dann die Frage, welche Medien diesem Kommunikationsprozess dienen, so wird man feststellen, dass diese Frage auf zwei Arten formuliert werden kann: (a) Welche Medien können dem Dialog dienen, und (b) Welche dienen im tatsächlich? Auf (a) erhält man die etwas überraschende Antwort, dass die meisten technoimaginären Medien ursprünglich als dialogische Medien gedacht waren – Radio und TV sind dafür Beispiele. Der diskursive Gebrauch des Radios war seinen Erfindern völlig unvorstellbar, denn sie glaubten, drahtlose Telefone erfunden zu haben, und die Erfinder des Fernsehens glaubten, grenzenlose audiovisuelle Dialoge ermöglicht zu haben. Die gegenwärte diskursive Funktion der technischen Medien, ihre Verwandlung in Massenmedien, ist alos nicht eine Folge ihrer Bauart, sondern eine Entscheidung ihrer Besitzer.” Vilém Flusser “Dialogische Medien”: S. 135.
“Das neue Menschenbild als Verknotung von Beziehungen passt uns nicht in den Kram und daher auch nicht das auf dieser Anthropologie beruhende Stadtbild. Und doch muss dieses Menschenbild hingenommen werden. Es sieht ungefähr so aus: Wir haben uns eine Netz von zwischenmenschlichen Beziehungen vorzustellen, ein ‘intersubjektives Relationsfeld’. Die Fäden dieses Netzes sind als Kanäle zu sehen, durch welche Informationen, Gefühle, Absichten oder Erkenntnisse fliessen. Diese Fäden verknoten sich provisorisch und bilden das, was wir ‘menschliche Subjekte’ nennen. Die Gesamtheit der Fäden macht die konkrete Lebenswelt aus, und die Knoten darin sind abstrakte Extrapolationen. Das erkennt man, wenn man sie entknotet. Sie sind kernlos wie Zwiebeln. Anders gesagt: Das ‘Selbst’ (‘Ich’) ist ein abstrakter, gedachter Punkt, um welchen sich konkrete Beziehungen füllen. ‘Ich’ ist das, wozu ‘du’ gesagt wird.” Vilém Flusser: “Die Stadt als Wellental in der Bilderflut”, S. 184:
Literatur
Baltes, Martin und Höltschl, Rainer (Hg.): Absolute McLuhan. Freiburg: orange press, 2002
Barck, Karlheinz (Hg.): Harold A. Innis – Kreuzwege der Kommunikation – Ausgewählte Texte. Wien: Springer, 1997
Dertouzos, Michael: What Will Be – Die Zukunft des Informationszeitalter [ New York 1997]. Wien: Springer, 1999
Flusser, Vilém Heimat und Heimatlosigkeit [Audio CD]. Köln: supposé, 1999
Flusser:, Vilém: Kommunikologie weiter denken – Die „Bochumer Vorlesung”. Frankfurt/M.: Fischer, 2009
Flusser, Vilém: “Diskursive Medien” [Deutsch zuerst in: Kommunikologie. Mannheim: Bollmann, 1995]. In: Röller (Hg.)
Flusser:, Vilém: “Dialogische Medien” [Deutsch zuerst in: Kommunikologie. Mannheim: Bollmann, 1995]. In: Röller (Hg.)
Hiebel, Hans H. u.a. : Die Medien. München: UTB, 1998
Kloock, Doniela und Spahr, Angela: Medientheorien. Eine Einführung. München: UTB, 2000
Kerckhove, Derrick de: “McLuhan and the “Toronto School of Communication”. In: Canadian Journal of Communication (1989): 73-79.Online: http://www.utoronto.ca/mcluhan/article_torontoschoolofcomm.htm
Kuhn, Johannes: “Sie wissen, wo wir sind – Das Geoweb ist eine Revolution des Alltags. Doch wenn uns das Internet überall hin folgen soll, können wir dem Netz auch nichts mehr verschweigen”. Süddeutsche Zeitung Nr. 126 (5./6. Juni 2010).
Marchand, Philip: Marshall McLuhan – Botschafter der Medien. Stuttgart: DVA, 1999
McLuhan, Herbert Marshall: Die magischen Kanäle [Understanding Media 1964]. Düsseldorf 1992: Econ
McLuhan, Herbert Marshall: Understanding Media [1964]. Cambridge: MIT Press, 1994
McLuhan, Herbert Marshall: “On Speaking freely with Edwin Newman”, 4. 1. 1971.
Paul, Joachim: Regeln, die öffentliche Sache, Verantwortung und das Internet. Online: http://www.vordenker.de/internet/internet.htm
Rheinberger, Hans-Jörg: Experimentalsysteme und epistemische Dinge – Eine Geschichte der Proteinsynthese im Reagenzglas. Göttingen 2001: Wallstein Verlag.
Rheinberger, Hans-Jörg: “Über die Kunst, das Unbekannte zu erforschen”. Vortrag anlässlich der Verleihung des Cogito-Preises. Zürich, 25.10. 2006.
Röller, Nils: Magnetismus – Eine Geschichte der Orientierung. München: Fink, 2010
Röller, Nils und Wagnermaier, Silvia (Hg.): Absolute Flusser. Freiburg: orange press, 2003/2010
David Fagan
Time is not a static object, nor is it viewable or recordable in its entirety. We cannot trust recorded media as truth, because truth would encompass all things at once, the universe in its entirety, recorded and understood from many opposing standpoints.
What is recorded of time is complicated by the fact that the one who records mediates the subject, and the one who replays mediates what is replayed.
What we do have; is individual experience of time, where memories slip and resurface in the present. Our ideas are generated internally. When one tries to explain ideas in the world outside of ones self they, by default, fail to communicate verbatim, given that language is itself a translation of thought to words. Yet ideas can find salvation, in new interpretation of those who view that which we can create.
The manifestation of a utopia in the built environment then, it would seem, is impossible. For we would each experience a utopian built environment differently.
“Impermanence is in some mysterious way of course the key to the actualization of any utopia.” (Mark von Schlegell, 2006)
The individual can experience a temporal moment that feels utopian. This is a lived moment where inner thoughts and outer environment meet seamlessly.
Utopia is not a fixed ideal; perhaps we have experienced what it is to live in a utopian environment for just a fleeting moment of our lives. The mind, it would seem is in a continual state of flux, tentative moments of stability form time to time, and perhaps in one of these moments, one views the world around us as utopian.
“Life rustled through the centuries like one spring-time, an ever-variegated festival of heaven-children and earth-dwellers.” (Novolis, 1897)
I like this description of life as a singular continuum regardless of which humans possess it. Although, if our individual knowledge of life is our consciousness of time; this communality of life would seem to run contrary to my previous assumptions of the individuals experience of memory.
Tino Sehgal’s work ‘This Progress’ at the Gugenheim, involves the viewer being asked by a child museum guide, “What is progress?” Thus forcing a verbal answer to what is an emotional idea. The young museum guide relays, to the next, slightly older guide, the viewer’s opinion of progress and in doing so, reveals the fallibility of language and time constraints in expressing ones thoughts.
The viewer; having given an off the cuff answer to a question which requires more time to answer than is allocated; is tied to this answer, which may not represent their opinion.
The more one chases a definition to of time, memory or truth, the more those terms reveal their definitions to be stunningly elusive.
This Progress, Tino Seghal, 2010
References:
Books
Novolis, 1897, Hymns to the Night in Rampolli: Growths from a Long-Planted Root: Being Translations, London Longman’s
Online Articles
Schlegell, Mark von, (2006) Classe Permanente: Corporating the principle of division [Catalogue of an exhibition held at Galeria Graça Brandão Lisboa, 14 January - 28 February 2006]
Available online at: http://www.galeriagracabrandao.com/index.php?menu=exp&exposicao_id=49&texto_id=10&lang=en
Tobias Wirz: Romantinimal Flow
«Auf dieselbe Art, wie wir unser Denkorgan in beliebige Bewegung setzen — seine Bewegung beliebig modifizieren — dieselbe und ihre Produkte beobachten — und mannigfaltig ausdrücken — auf dieselbe Art, wie wir die Bewegungen des Denkorgans zur Sprache bringen — wie wir sie in Gebärden äußern — in Handlungen ausprägen, wie wir uns überhaupt willkürlich bewegen und aufhalten — unsre Bewegungen vereinigen und vereinzeln — auf eben dieselbe Art müssen wir auch die innern Organe unsers Körpers bewegen, hemmen, vereinigen und vereinzeln lernen. Unser ganzer Körper ist schlechterdings fähig, vom Geist in beliebige Bewegung gesetzt zu werden. Die Wirkungen der Fucht, des Schreckens — der Traurigkeit, des Zorns — des Neides — der Scham, der Freude, der Phantasie usw. sind Indikationen genug —. Überdem aber hat man genugsam Beispiele von Menschen — die eine willkürliche Herrschaft über einzelne, gewöhnlich der Willkür entzogene Teile ihres Körpers erlangt haben. Dann wird jeder sein eigner Arzt sein — und sich ein vollständiges, sichres und genaues Gefühl seines Körpers erwerben können – dann wird der Mensch erst wahrhaftig unabhängig von der Natur, vielleicht imstande sogar sein, verlorne Glieder zu restaurieren sich bloß durch seinen Willen zu töten, und dadurch erst wahre Aufschlüsse über Körper — Seele — Welt — Leben — Tod und Geisterwelt zu erlangen. Es wird vielleicht nur von ihm davon abhängen einen Stoff zu beseelen — Er wird seine Sinne zwingen ihm die Gestalt zu produzieren, die er verlangt — und im eigentlichsten Sinn in seiner Welt leben können. Dann wird er vermögend sein sich von seinem Körper zu trennen — wenn er es für gut findet — er wird sehn, hören — und fühlen was, wie und in welcher Verbindung er will.»
(Novalis. Frankfurt/M.: Fischer, 1956, S. 199)
Flow infinitely – Are we humans, or are we dancers?
Wer hat sich schon einmal in einem Club in die «nächste Sphäre» getanzt? Wenn ich Sphäre schreibe, dann meine ich ungefähr das hier. Ohne Drogen ist es: Kristallklar. Mit Drogen: Unscharf, aber wahrnehmbar. Ich kann mich an einen Moment erinnern, den ich als den mit Abstand grössten Summanden aus einer Addition von Erfahrungen bezeichnen möchte. Es war in einem Club an der Birchstrasse in Zürich Oerlikon: Im «Birchermüesli». Während einer Zeit des Aufbruchs, der Abreise. Das Schiff stand bereit, die Kamine rauchten, an Deck wurden Cocktails gereicht und das Schiffshorn blies neue, filigrane Töne. Es war die Zeit des minimal. Eine Musik, zu der der Musikjournalist Philip Sherburne schrieb: «Minimal Techno corkscrews into the very heart of repetition». Für meine Erzählung wichtig ist auch das Statement von Robert Hood: «A basic stripped down, raw sound. Just drums, basslines and funky grooves and only what’s essential. Only what is essential to make people move. I started to look at it as a science, the art of making people move their butts, speaking to their heart, mind and soul. It’s a heart-felt rhythmic techno sound.»
Gut, lasst uns erste Tanzschritte wagen: Um dorthin zu gelangen, wo mein Text hinführt oder hinführen möchte, muss man verstehen, nein begreifen (also mit geistigen Fingern das Fluidum anfassen, es drehen und wenden, drücken und reiben, «haptisch» erfahren!) was Flow ist. Feststellung 1: Mit Flow ist keineswegs das deutsche Wort Fluss oder Strom gemeint, da diese Begriffe im deutschen sehr viel und sehr merkwürdig verwendet werden bzw. die eine oder andere Sache verkehren. Mir war beispielsweise nie klar, wie man von Warenflüssen und Geldströmen reden kann. Meiner Ansicht nach sind das lediglich mechanische Verschiebungen in fein verästelten Bronchialsystemen. Dieser Begriffsirrtum erschloss sich mir eines morgens, als ich mit meinem Velo an der Spitze eines durch einen geschlossenen Bahnübergang unterbrochenen Verkehrsflusses stand und warten musste, bis der beeindruckend lange Güterzug durchgefahren war. Flow ist etwas ganz anderes. Feststellung 2 (und dann höre ich auf, Dinge fest zu stellen): Dass ich Flow mit der Form des Textes (der These, des Theorems) begreiflich machen möchte, ist kühne Einfalt!
Wenn man sich hier im VMK mit jemandem über die Freiheit unterhalten möchte, die in der Repetition zu finden ist, der soll Alexander Tuchacek darauf ansprechen. Er denkt sehr schnell und zuweilen ist es, als renne man in einem Maisfeld einem Hasen hinterher. Aber aus einer völlig anderen Ecke kommt von Alexander etwas absolut Kongruentes zu dem, was ich von der anderen Sphäre zu berichten habe. Am besten man hört sich mal dieses Musikstück an und kehrt dann wieder zum Text zurück.
Was passiert nun auf der Tanzfläche? Das muss ich vereinfachen: Das Monotone eröffnet eine Ebene universaler Freiheit (univers; «in eins gekehrt»). Alles ist möglich. Ein Zustand der Schwerelosigkeit. Schwer zu beschreiben. Kid David von der Legion of Extraordinary Dancers, von der wir gleich noch mehr hören, sagt über seinen Tanz folgendes:
«It’s kinda like, a lot of times, I don’t know whats going on when iam dancing cause on that point it’s just realy like it’s my body in the music, it’s not realy a concious decision «iam gonna do this, next iam gonna do this». It’s kind of like this other level where you can’t make choices anymore, it’s just your body reacting to certain sounds in the music.»
Es gibt diese junge Generation (obwohl – von einer Generation zu sprechen ist falsch), also diese Kids (und mit Alter hat das nichts zu tun) überall auf dem Planeten, die entdecken ebendiesen Flow, den es eigentlich schon immer gibt und der reine Bewusstheit ist. Für mich als professionellen Full-contact-street-cyclist gibt es zwei Seiten: Die eine hockt zwischen den Arschbacken schwitzend in einer Trivialisierungsmaschine und hupt und stösst und flucht. Die andere ist Empfindungskörper durch und durch und flowt durch die Häuserschluchten. Wer etwas von Flow wissen will, der fängt damit an, Freestyle zu betrachten.
TED-Talk über die Legion of Extraordinary Dancers
Was hat Flow nun mit Romantik zu tun? «Fenster als Schnittstellen». Vereinfachen wir das Ganze und nehmen unsere «Fenster zur Welt», die Augen. Weiten wir das Ganze aus und denken unseren Körper mit, unsere Sinne, unseren Geist, schlicht unsere Wahrnehmung in ihrer Ganzheit. Neue Menschen (an vorderster Front «die Freestyler») entdecken eine Welt vor der Konstruktion. Über ihr. Sie entdecken ihr Bewusstsein als Interface zu dieser Welt, werden selbst zu Kirchen. Sie sind in den Momenten, wo es «flowt» absolut präsent in der Gegenwart. Das Gedankenkonstrukt Zeit wird in ihren Händen zu einem formbaren Energieball. Sie versuchen weder den Beton zu bemoosen, noch ihn zu sprengen. Sie bauen damit Flugmaschinen!
Wann ist das letzte Mal etwas so kraftvolles aus dem «regulären» Kunstbetrieb herausgebrochen?
«Flow infinetly (…)» Jay Z – Hard Knock Life (Ghetto Anthem)
«Are we human, or are we dancers?» The Killers – Human
Post zum Text Realometer von Marc von Schlegel, (Romina Tschuor)
Denn es liegt in der Natur der Sprache, dass sie niemals vollkommen verstanden werden kann und genau an diesem Punkt setzt Poe mit seinen Manipulationen an…
Marc von Schlegell. Realometer, Originalausgabe/ 2009, S.22
künstlerische Intervention: Mittelseite einer Zeitschrift. Wenn man sie öffnet, fallen die Farbpigmente aus der Seite.
Schrift/Schriben (haeyeon)
in einem ortlosen ort, wo die schreibende nicht zu sehen sind, in einem ort, wo der räumliche und zeitliche punkt der handlung des schreibens nicht zu spüren ist: dort – oder hier- meine finger bewegen sich auf der tastaur, vollständig absorbiert mit dem prozess von ‘ copy & paste’. sie bauen ein asyl für die schreibende, die irgendwann vorbeikommen könnten. langsam.
작가를 찾을 수 없는 곳 아닌 곳, 쓰기의 행위의 시점를 구분할 수 없는 곳 아닌 곳에서 ‘copy & paste’ 작업을 분주하게 하고있는 자판위의 손가락이 언젠가 잠시 거처갈 지 모르는 글쓰는 이를 위한 거처를 느릿 느릿 지어가고 있다.
in a placeless place where the writers are not to be seen ,in a place where the spatial and temporal point of action of writing is not to be noticed: there – or here – my fingers, fully absorbed with the process of ‘copy & paste’ and making busy moves on the keyboard, are building a shelter for the writers who might come by some time. slowly.
mein beitrag zu diesem thema ist ein prozess, ein werdegang eines on-line notizbuchs. da baue ich ein haus ohne einem vollständigen bauplan, der ständig zu ändern ist. kommt mal vorbei und macht mal mit. wir bauen gemeinsam ein haus. por las letras_near and inbetween letters
Nina Mischler – Radio
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Radiotagebuch in Prosa vom 29.9. 2009 bis 19.11.2009 ( Für ein Radioerlebnis; lesen Sie den Text laut vor sich hin.)
I wett emmou für sone zit ungerwasser sii im aquarium eleini si abetauche und läbe wiene schöne Fisch u nüm erwache us dere wäut. Roman Polanski wurde festgenommen. I wanna be like Grace Kelly. Überall wo wir sind, sind physikalische Formeln. Follow me and everything is alright. Bob Dylans Chancen auf einen Literaturnobelpreis steigen, laut Nobelpreiswettbüro. Looking back over my shoulder, I can see the look in your eyes, I never dreamed it could be over, I never wanted to say good bye. AYO I’M tired of using technology! I need you right in front of me. Gedächtnislücke. She don’t let nobody but me. Nobody but me no. Roman Polanski sitzt immmer noch in Haft in Winterthur. Das betroffene Mädchen die heute siebenundvierzigjährige Frau will dass der Gerichtsfall eingestellt wird. Da kam der Zookurator herein und hatte einen rosaroten Beutel in der Hand mit einer Schlange darin. Since you ran away my heart breaks everyday. Reality killed the video star. Oh Joe don’t let go. Stay with me. I think I’m crazy possibly. That’s what it takes for waking up in Vegas. Please don’t leave me dadadada-da-da-da-daa Please don’t leave me. U2 und Jay-z spielten am Brandenburgertor in Berlin zum 20 Jahre Mauerfall Jubiläum. I don’t want a rock dj. Auf der A1 zwischen Lenzburg und Zürich ist Stau. Somit ist auch auf der A3 ab Zürich Stau sie haben Wartezeiten von 3 Stunden. Am Morgen nieselt es. Am Nachmittag wird es besser. Das Thermometer mach heute keine Anstrengungen. Temperaturen bleiben bei 5°. Italienisches lied. Certo lalalalalalalalalalal No! Mas que nada! Oooooo aaai aaaa i uuuu oba oba oba. Ueli Maurer stellt sich gegen die SVP. Erster Schweinegrippetodesfall in der Schweiz. Ein frischgeborener Säugling ist daran gestorben.
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ACHTUNG SENDUNG!
RADIO_RADIO (auf Link drücken für knapp 1h Stunde Radioprogramm)
Telefon – Sarah Christen
SIND SIE EINSAM? WIR VERHELFEN IHNEN ZU FREUNDEN. WIR HÖREN IHNEN ZU. WIR SIND FÜR SIE DA, ZU JEDER ZEIT, AN JEDEM ORT. WIR SIND ZUVERLÄSSIG ERREICHBAR. WIR HABEN ZEIT. EWIGE ZEIT. SIE HABEN KEINE GESELLSCHAFT? WIR SIND IHRE GESELLSCHAFT. WIR SIND KÖRPERLOS, RAUMLOS. WIR SIND FLEXIBEL. WIR SIND IHRE FREUNDE. SIE LIEGEN IM STERBEN? IHRE BEKANNTEN HABEN KEINE ZEIT FÜR SIE? WIR BEGLEITEN SIE. WÄHLEN SIE UNS! 0041 056 664 57 68
Klimawandel, Komplexität, Kybernetik
von Bruno Meilick
Die Ursachen für den Klimawandel sind auf verschiedenste Weisen erklärt worden. Inzwischen sind die meisten Menschen durch die Medien darauf eingeschworen, dass der Mensch diese Ursachen verschuldet hat. Das ist gut. Die Medien zeigen bildreich die Folgen, denn sie wissen, dass die Menschen Sensationen lieben. Doch wie nutzt man die erzeugte Furcht der Massen vor dem Klimawandel? Das Klima ist komplex. Kann man das was man ignorant aus seiner ruhigen Bahn gebracht hat nicht einfach wieder richten? Ein Schnellzug ist auch komplex. Den kann man doch auch richten.
Um diese Fragestellung zu klären möchte ich kurz einige Begriff erläutern.
1) Komplexität
“Die Eigenschaft eines Systems oder Modells, welche die Beschreibungen seines Gesamtverhaltens in einer beliebigen Sprache erschwert, selbst wenn man vollständige Informationen über seine Einzelkomponenten und ihre Wechselwirkungen besitzt. Komplexität ist eine mögliche Form eines Gegenteils von Einfachheit.”
- http://de.wikipedia.org/wiki/Komplexit%C3%A4t
Wenn das Klima also komplex ist könnten wir es als System betrachten. Es scheint recht sicher, dass es auf jeden Fall nicht einfach ist darüber zu sprechen. Demnach ist es wohl auch nicht einfach zu beschrieben wenn sich am Klima etwas ändert. Und wohl noch schwieriger wie man es gezielt ändert.
2) System und Prozess
“Ein System [...] ist eine Gesamtheit von Elementen, die so aufeinander bezogen sind und in einer Weise wechselwirken, dass sie als eine aufgaben-, sinn- oder zweckgebundene Einheit angesehen werden können und sich in dieser Hinsicht gegenüber der sie umgebenden Umwelt abgrenzen.”
- http://de.wikipedia.org/wiki/System
Die Elemente innerhalb eines Systems agieren also mit- und aufeinander. Einen Kette an Aktionen der Elemente kann man als Prozess bezeichen.
“Unter einem Prozess (lat. procedere = voranschreiten; PPP: processus) versteht man eine definierte oder wahrscheinliche Aufeinanderfolge von Zuständen eines Systems in Abhängigkeit von den Vorbedingungen und den äußeren Einflüssen.”
- http://de.wikipedia.org/wiki/Prozess_%28Statistik%29
3) Kybernetik
Kann man den Klimawandel nicht als Prozess betrachten, analysieren und entgegenwirken? Hat den der Mensch noch nichts erfunden um mit komplexen Systemen zurechtzukommen? Verschiedenes, u.a. auch die Kybernetik. In der Kybernetik geht es um die Struktur komplexer Systeme und die Steuerung von Rückkopplungen.
“Ein typisches einfaches kybernetisches System ist eine durch einen Thermostat gesteuerte Heizung. Der Thermostat misst die Raumtemperatur mit einem Sensor und vergleicht diesen Wert (Istwert) mit einem vorgegebenen Sollwert. Eine Diskrepanz zwischen diesen beiden Werten veranlasst den Thermostat dazu, über den Effektor die Heizung so zu regulieren, dass der Ist-Wert den Soll-Wert erreicht.”
- http://de.wikipedia.org/wiki/Kybernetik
Na bitte. Wir wissen wie es heute mit dem Klima aussieht (Istwert) und wie wir es haben wollen (Sollwert). Wir brauchen also den passenden Effektor. Eine einfache Formel wäre die Lösung unseres Problemes. Leider ist dieses Beispiel nicht komplex sondern einfach! Es geht im obigen Beispiel nur um eine Variable, nämlich die Temperatur. Auf diese kann nur in einem vorgegebenen Bereich, eingewirkt werden. Die Heizung ist an oder aus. Nun gut, eine teure Heizung kann vielleicht auch kühlen. Aber das macht nur ein paar Grad mehr Spielraum. Der Effektor ist somit besschränkt.
Was wäre ein komplexes Beispiel? Wenn wir mehrere Variablen hätten und viele Effektoren. Wenn die Variablen untereinander und von mehreren Effektoren abhängen, dann hätten wir ein komplexes Beispiel. Aber die Kybernetik ist doch genau dafür da, oder? Ja, wenn man genug weis kann man die Kybernetik nutzen. Doch was macht man wenn man das Gefühl hat man weis zu wenig, oder gar weis dass man keine Zeit mehr hat mehr herauszufinden, sondern gleich zu Handeln beginnen muss? Scheitert die Bekämpfung des Klimawandels weil das Klima kein kybernetisches System ist?
4) Alternative
Was man tun kann ist die Alternativen zur Kybernetik betrachten. Zum Beispiel die Systemlehre des theoretischen Biologen und Systemtheoretikers Ludwig von Bertalanffy.
Bertalanffy kritisiert die deduktive Vorgehensweise der klassischen Physik. Der Arbeit mit Einzelphänomenen, welche so jedoch nie in der Natur vorkommen, setzt er vernetzte Phänomene entgegen. Er nennt dieses Model die “organisierte Komplexität”.
“Organisierte Komplexität sei gegeben, wenn Einzelphänomene nicht schlicht linear logisch miteinander gekoppelt seien, sondern Wechselwirkungen unter ihnen bestünden. Sei dies der Fall, könne eine exakte Beschreibung der reziproken Vernetzungsbedingungen ein Bild von der Einheit der Summe jener Einzelphänomene vermitteln. [...] Ein offenes System dagegen verfügt über variablisierte Relationen seiner Elemente, die durch nichtprognostizierbare Umwelteinflüsse verändert werden. [...] Die Systemlehre wurde als allgemeine Naturwissenschaft des Lebens konzipiert.”
- http://de.wikipedia.org/wiki/Systemtheorie#Systemlehre_.28Ludwig_von_Bertalanffy.29
Nach Bertalanffy kann man das Klima als offenes, organisiertes, komplexes System betrachten. Statt einer einzelnen Lösung, brauchen wir also für jede der Vernetzungsbedingungen eine. Am besten fängt man mit denen an wo das vorhandene Wissen am größten ist und das Risiko beim Scheitern am höchsten. Dann macht man dort weiter wo das Risiko am höchsten ist und man nur noch wenig weis. Und erst dann, kümmert man sie um die Probleme mit niedrigem Risiko (1). Damit wären wir wieder am Anfang. Die Medien zeigen das Risiko auf und das Volk sollte zur Lösung betragen – indirekt durch die Politik und direkt im eigenen Haushalt. Denn die Begrenzung CO2-Emissionen pro Kopf erfasst nur eine von vielen Vernetzungsbedingungen. Und die Wissenschaft sollte ihr Wissen medientauglich aufbereiten.
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(1) In der Informatik gibt es vergleichbares mit dem Extreme Programming, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Extreme_programming
Graeculi – Erweiterte Gedächtnis- und mögliche Denksysteme
Monika Schmidt
Neben Zählsymbolen und –systemen, welche auf konzeptueller Ebene stellvertretend für eine bestimmte Menge eines bestimmten Gutes stehen, gab es als zusätzlichen Informationsspeicher ausserhalb des eigenen biologischen Gedächtnisses zum Beispiel auch den Graeculus. Graeculi waren gebildete römische Sklaven griechischer Abstammung, welche sich Wissen einprägten und dieses bei Bedarf des Herren vorsagten.
Wie gehen die Beteiligten dieses Wissensverbundes mit den Informationen und dem anvertrauten oder anzuvertrauenden Wissen um, welche Regeln und Kontrollen sind nötig, werden vereinbart?
Wem soll das Wissen dienen? Macht sich das Medium fremde Reproduktionsabsichten zu eigen und „bildet es ein Metawissen, indem es eigene und fremde Wissensbestände, Wissensbedürfnisse und Wissensdefizite ermittelt“ und so die Speicherung und deren Verteilung intentional beeinflusst? So muss ich als Nutzerin davon ausgehen, durch das Medium Kognitionen von anderen zu begegnen – vielleicht auch bei Frau Doris Leuthard, welche ihr Wissen womöglich von einem politischen oder wissenschaftlichen Graeculus bezogen hat, dessen Informationen ein spezifisches Vorwissen verlangen um das Schicksal von Kiribati richtig verstehen zu können.
Die gesellschaftlichen Reaktionen auf Menschenrechtsverletzungen zeigen immer wieder Mechanismen des Verdrängens (Stanley Cohen) und haben womöglich Parallelen zum Umgang mit dem Klimawandel.
„So ist Verdrängen zu erwarten, wenn ein Problem so ungeheuerlich und beispiellos ist, dass Menschen keine kulturellen Mechanismen kennen, um mit ihm umzugehen.“
Der Schriftsteller und jüdische Widerstandskämpfer Primo Levi hat in seinem Essay „Beyond Judgement“ versucht die Haltung vieler europäischer Juden zu begreifen, welche nicht fähig waren, ihre bevorstehende Vernichtung wahrzunehmen.
„Im Falle des Klimawandels können wir zwar die Bedrohung intellektuell akzeptieren, aber nicht die Verantwortung für einen Umbruch dieses Ausmasses. Wir weigern uns zu erkennen, dass es eine moralische Dimension mit identifizierbaren Tätern und Opfern gibt. „Globale Erwärmung“, „Anpassung“ – die Sprache selbst verleitet dazu, den Klimawandel eher unveränderbaren Naturkräften zuzuschreiben als einer direkten Kausalbeziehung mit moralischen Folgen für die Verursachenden.“
Wolfgang Schönpflug. Eigenes und fremdes Gedächtnis. Zur Rolle von Medien in Erweiterten Gedächtnissystemen. In: Peter Koch, Sibylle Krämer (Hrsg.). Schrift, Medien, Kognitionen. Über die Exteriorität des Geistes. Tübingen. Stauffenburg Verlag, 1997.
Georg Marshall. Wissen: 2+ Fleiss: 5. Weshalb es uns gelingt, den Klimawandel zu verdrängen. In: GEO. Handeln nach dem Klimaschock. Nr. 12, Dezember 2007.








