Posts zu Lehrveranstaltungen von Prof. Dr. Nils Röller (Mediale Künste, DKM, ZHDK)
Maschinen
Tobias Wirz: Romantinimal Flow
«Auf dieselbe Art, wie wir unser Denkorgan in beliebige Bewegung setzen — seine Bewegung beliebig modifizieren — dieselbe und ihre Produkte beobachten — und mannigfaltig ausdrücken — auf dieselbe Art, wie wir die Bewegungen des Denkorgans zur Sprache bringen — wie wir sie in Gebärden äußern — in Handlungen ausprägen, wie wir uns überhaupt willkürlich bewegen und aufhalten — unsre Bewegungen vereinigen und vereinzeln — auf eben dieselbe Art müssen wir auch die innern Organe unsers Körpers bewegen, hemmen, vereinigen und vereinzeln lernen. Unser ganzer Körper ist schlechterdings fähig, vom Geist in beliebige Bewegung gesetzt zu werden. Die Wirkungen der Fucht, des Schreckens — der Traurigkeit, des Zorns — des Neides — der Scham, der Freude, der Phantasie usw. sind Indikationen genug —. Überdem aber hat man genugsam Beispiele von Menschen — die eine willkürliche Herrschaft über einzelne, gewöhnlich der Willkür entzogene Teile ihres Körpers erlangt haben. Dann wird jeder sein eigner Arzt sein — und sich ein vollständiges, sichres und genaues Gefühl seines Körpers erwerben können – dann wird der Mensch erst wahrhaftig unabhängig von der Natur, vielleicht imstande sogar sein, verlorne Glieder zu restaurieren sich bloß durch seinen Willen zu töten, und dadurch erst wahre Aufschlüsse über Körper — Seele — Welt — Leben — Tod und Geisterwelt zu erlangen. Es wird vielleicht nur von ihm davon abhängen einen Stoff zu beseelen — Er wird seine Sinne zwingen ihm die Gestalt zu produzieren, die er verlangt — und im eigentlichsten Sinn in seiner Welt leben können. Dann wird er vermögend sein sich von seinem Körper zu trennen — wenn er es für gut findet — er wird sehn, hören — und fühlen was, wie und in welcher Verbindung er will.»
(Novalis. Frankfurt/M.: Fischer, 1956, S. 199)
Flow infinitely – Are we humans, or are we dancers?
Wer hat sich schon einmal in einem Club in die «nächste Sphäre» getanzt? Wenn ich Sphäre schreibe, dann meine ich ungefähr das hier. Ohne Drogen ist es: Kristallklar. Mit Drogen: Unscharf, aber wahrnehmbar. Ich kann mich an einen Moment erinnern, den ich als den mit Abstand grössten Summanden aus einer Addition von Erfahrungen bezeichnen möchte. Es war in einem Club an der Birchstrasse in Zürich Oerlikon: Im «Birchermüesli». Während einer Zeit des Aufbruchs, der Abreise. Das Schiff stand bereit, die Kamine rauchten, an Deck wurden Cocktails gereicht und das Schiffshorn blies neue, filigrane Töne. Es war die Zeit des minimal. Eine Musik, zu der der Musikjournalist Philip Sherburne schrieb: «Minimal Techno corkscrews into the very heart of repetition». Für meine Erzählung wichtig ist auch das Statement von Robert Hood: «A basic stripped down, raw sound. Just drums, basslines and funky grooves and only what’s essential. Only what is essential to make people move. I started to look at it as a science, the art of making people move their butts, speaking to their heart, mind and soul. It’s a heart-felt rhythmic techno sound.»
Gut, lasst uns erste Tanzschritte wagen: Um dorthin zu gelangen, wo mein Text hinführt oder hinführen möchte, muss man verstehen, nein begreifen (also mit geistigen Fingern das Fluidum anfassen, es drehen und wenden, drücken und reiben, «haptisch» erfahren!) was Flow ist. Feststellung 1: Mit Flow ist keineswegs das deutsche Wort Fluss oder Strom gemeint, da diese Begriffe im deutschen sehr viel und sehr merkwürdig verwendet werden bzw. die eine oder andere Sache verkehren. Mir war beispielsweise nie klar, wie man von Warenflüssen und Geldströmen reden kann. Meiner Ansicht nach sind das lediglich mechanische Verschiebungen in fein verästelten Bronchialsystemen. Dieser Begriffsirrtum erschloss sich mir eines morgens, als ich mit meinem Velo an der Spitze eines durch einen geschlossenen Bahnübergang unterbrochenen Verkehrsflusses stand und warten musste, bis der beeindruckend lange Güterzug durchgefahren war. Flow ist etwas ganz anderes. Feststellung 2 (und dann höre ich auf, Dinge fest zu stellen): Dass ich Flow mit der Form des Textes (der These, des Theorems) begreiflich machen möchte, ist kühne Einfalt!
Wenn man sich hier im VMK mit jemandem über die Freiheit unterhalten möchte, die in der Repetition zu finden ist, der soll Alexander Tuchacek darauf ansprechen. Er denkt sehr schnell und zuweilen ist es, als renne man in einem Maisfeld einem Hasen hinterher. Aber aus einer völlig anderen Ecke kommt von Alexander etwas absolut Kongruentes zu dem, was ich von der anderen Sphäre zu berichten habe. Am besten man hört sich mal dieses Musikstück an und kehrt dann wieder zum Text zurück.
Was passiert nun auf der Tanzfläche? Das muss ich vereinfachen: Das Monotone eröffnet eine Ebene universaler Freiheit (univers; «in eins gekehrt»). Alles ist möglich. Ein Zustand der Schwerelosigkeit. Schwer zu beschreiben. Kid David von der Legion of Extraordinary Dancers, von der wir gleich noch mehr hören, sagt über seinen Tanz folgendes:
«It’s kinda like, a lot of times, I don’t know whats going on when iam dancing cause on that point it’s just realy like it’s my body in the music, it’s not realy a concious decision «iam gonna do this, next iam gonna do this». It’s kind of like this other level where you can’t make choices anymore, it’s just your body reacting to certain sounds in the music.»
Es gibt diese junge Generation (obwohl – von einer Generation zu sprechen ist falsch), also diese Kids (und mit Alter hat das nichts zu tun) überall auf dem Planeten, die entdecken ebendiesen Flow, den es eigentlich schon immer gibt und der reine Bewusstheit ist. Für mich als professionellen Full-contact-street-cyclist gibt es zwei Seiten: Die eine hockt zwischen den Arschbacken schwitzend in einer Trivialisierungsmaschine und hupt und stösst und flucht. Die andere ist Empfindungskörper durch und durch und flowt durch die Häuserschluchten. Wer etwas von Flow wissen will, der fängt damit an, Freestyle zu betrachten.
TED-Talk über die Legion of Extraordinary Dancers
Was hat Flow nun mit Romantik zu tun? «Fenster als Schnittstellen». Vereinfachen wir das Ganze und nehmen unsere «Fenster zur Welt», die Augen. Weiten wir das Ganze aus und denken unseren Körper mit, unsere Sinne, unseren Geist, schlicht unsere Wahrnehmung in ihrer Ganzheit. Neue Menschen (an vorderster Front «die Freestyler») entdecken eine Welt vor der Konstruktion. Über ihr. Sie entdecken ihr Bewusstsein als Interface zu dieser Welt, werden selbst zu Kirchen. Sie sind in den Momenten, wo es «flowt» absolut präsent in der Gegenwart. Das Gedankenkonstrukt Zeit wird in ihren Händen zu einem formbaren Energieball. Sie versuchen weder den Beton zu bemoosen, noch ihn zu sprengen. Sie bauen damit Flugmaschinen!
Wann ist das letzte Mal etwas so kraftvolles aus dem «regulären» Kunstbetrieb herausgebrochen?
«Flow infinetly (…)» Jay Z – Hard Knock Life (Ghetto Anthem)
«Are we human, or are we dancers?» The Killers – Human
Mythos der Maschine – Finder und Erzeuger, Dave Bopp
Mumford, Lewis, Mythos der Maschine, Wien, 1974, Europa Verlag
Kapitel 4, Finder und Erzeuger, S. 121-152
Mumford setzt seine Jagd nach angebrannten Theorien über das Verhältnis zwischen Werkzeug und Geist des Frühmenschen fort. Die unterschätzte Relevanz des Geistes wird nun aber mehr von konkreterem “Bewiesmaterial” gestützt und es werden tiefe Einblicke in ein komplexes Netz von Zusammenhängen zwischen archäologischem und psychologischem Forschen im Paläolithikum offenbart.
Beginnend mit einer “was wäre wenn” Frage, wobei nicht die Frage selbst beantwortet wird, sondern vielmehr geschildert wird, wie das “wenn” verhindert wurde, wird der zentrale Bestand dieses Kapitels, die Neugierde des Menschen, aufgegriffen. Ich finde es schön wie er das Zusammenspiel zwischen Inspiration, Verarbeitung und Schöpfung verbildlicht. Denn in seiner Formulierung wird man nur fern an die Funktionsweise einer Maschine erinnert. Da die Maschine auch nach dem “gibts Input gibts Output” Prinzip funktioniert, wäre ein solcher Vergleich naheliegend. Dennoch wird diese Gemeinsamkeit von der Selbstinitiative, dem innovativem Denken und dem Interesse des Menschen übertrumpft (Zitat: “Er (der Mensch) roch und schmeckte, suchte und sammelte, verglich und wählte aus.” S. 125).
Die Konstruktion der Megamaschine
Maria-Cecilia Quadri
Den Ursprung der Maschine und ihre Entstehungsgeschichte zu verstehen heisst neue Einsicht in die Ursprünge unserer gegenwärtigen übertechnisierten Kultur wie auch in das Schicksal und die Bestimmung des modernen Menschen gewinnen. More >
Könige als treibende Kraft
Jean Tinguely, Heureka (Zürich)
„Im Mittelpunkt der ganzen Entwicklung stand die neue Institution des Königtums. Der Mythos der Maschine und der Kult des Gottkönigtums sind gemeinsam entstanden.“
(s. 199, Abschnitt 1)
Der Autor als Netzwerker: Talmudseite
Talmudseite
Die Metapher als Psychotherapie
Was ist eine Metapher?
- Die Metapher ist eine rhetorische Figur, die ein Wort oder einen Ausdruck benutzt um etwas anderes zu verstehen, als das, was sie normalerweise ausdrückt. Wenn wir z.B. zu Jemandem sagen: „Du bringst mich auf die Palme!“, meinen wir damit dass der andere einem nervös macht“.
- Die Metapher erleichtert das Verständnis, von dem, was man sagen will und vereinfacht die Rede, indem sie eine grosse Nummer von Wörtern ausschaltet, um dem gleichen Begriff zu illustrieren.
- Die Metapher identifiziert durch eine Sprache zwei verschiedene Dinge. z.B. Wenn man sagt: „Du bist eine Blume“ oder „Du bist wie eine Blume“ ist dies nicht dasselbe.
Psychotherapie?
Die Metapher ist ein aussergewöhnliches Mittel, das dem Hypnose-Therapeuten zur Verfügung steht, um die therapeutischen Einflüsse ins Unterbewusstsein zu übertragen.
Dies ist der Grund, weshalb die Metapher zur indirekten Beeinflussung (Hypnose) gebraucht werden kann, weil ihr Inhalt in privilegierter Weise von der rechten Heimsphäre (Hirnhälfte) aufgenommen wird. Wenn die Metapher mit der Beschreibung eines Konzeptes gebraucht wird, sind die beider Hirnhälften mit dem betreffenden Funktionen gleichzeitig beschäftigt.
Die Sprache, wurde gebildet, indem syntaktische Regeln den Wörtern und Gruppen von Wörtern Sinn gegeben haben. Aus der Erfahrung, hat man gelernt, dass aus einem nicht korrekt formulierten Satz (mit unklarem Sinn) ein auch nicht korrektes Verhaltensmuster entsteht.
Ein Therapeut, der mit der, von einer Person gebrauchten Sprache arbeitet, und auf die richtige logische Formulierung aufpasst, kann somit das Benehmen der Person selbst beeinflussen.
Eine gut formulierte Metapher verändert die Realität, das heisst, durch die Therapie kommt es zum Verschwinden von Symptomen. Wenn ein Patient seine Symptome beschreibt, braucht er Metaphern. Das beste was man tun kann, ist dem Patienten seine eigenen reinterpretierten Metaphern zu ersetzen.
Fazit
Generell gesagt, ist die Sprache selbst eine Metapher der Wirklichkeit. Diese ist weder verständlich noch mittelbar wenn nicht durch die Metapher, die der Sprache die richtige Form gibt.
Copyrights 2007 – Azzarello Rosario

Sounding Bots
Genaueres zu den heute erwähnten Bots, die durch Ihren Tötungsdrang komponieren findet man hier.







