Sprache

Tobias Wirz: Romantinimal Flow

«Auf dieselbe Art, wie wir unser Denkorgan in beliebige Bewegung setzen — seine Bewegung beliebig modifizieren — dieselbe und ihre Produkte beobachten — und mannigfaltig ausdrücken — auf dieselbe Art, wie wir die Bewegungen des Denkorgans zur Sprache bringen — wie wir sie in Gebärden äußern — in Handlungen ausprägen, wie wir uns überhaupt willkürlich bewegen und aufhalten — unsre Bewegungen vereinigen und vereinzeln — auf eben dieselbe Art müssen wir auch die innern Organe unsers Körpers bewegen, hemmen, vereinigen und vereinzeln lernen. Unser ganzer Körper ist schlechterdings fähig, vom Geist in beliebige Bewegung gesetzt zu werden. Die Wirkungen der Fucht, des Schreckens — der Traurigkeit, des Zorns — des Neides — der Scham, der Freude, der Phantasie usw. sind Indikationen genug —. Überdem aber hat man genugsam Beispiele von Menschen — die eine willkürliche Herrschaft über einzelne, gewöhnlich der Willkür entzogene Teile ihres Körpers erlangt haben. Dann wird jeder sein eigner Arzt sein — und sich ein vollständiges, sichres und genaues Gefühl seines Körpers erwerben können – dann wird der Mensch erst wahrhaftig unabhängig von der Natur, vielleicht imstande sogar sein, verlorne Glieder zu restaurieren sich bloß durch seinen Willen zu töten, und dadurch erst wahre Aufschlüsse über Körper — Seele — Welt — Leben — Tod und Geisterwelt zu erlangen. Es wird vielleicht nur von ihm davon abhängen einen Stoff zu beseelen — Er wird seine Sinne zwingen ihm die Gestalt zu produzieren, die er verlangt — und im eigentlichsten Sinn in seiner Welt leben können. Dann wird er vermögend sein sich von seinem Körper zu trennen — wenn er es für gut findet — er wird sehn, hören — und fühlen was, wie und in welcher Verbindung er will.»

(Novalis. Frankfurt/M.: Fischer, 1956, S. 199)

Flow infinitely – Are we humans, or are we dancers?

Wer hat sich schon einmal in einem Club in die «nächste Sphäre» getanzt? Wenn ich Sphäre schreibe, dann meine ich ungefähr das hier. Ohne Drogen ist es: Kristallklar. Mit Drogen: Unscharf, aber wahrnehmbar. Ich kann mich an einen Moment erinnern, den ich als den mit Abstand grössten Summanden aus einer Addition von Erfahrungen bezeichnen möchte. Es war in einem Club an der Birchstrasse in Zürich Oerlikon: Im «Birchermüesli». Während einer Zeit des Aufbruchs, der Abreise. Das Schiff stand bereit, die Kamine rauchten, an Deck wurden Cocktails gereicht und das Schiffshorn blies neue, filigrane Töne. Es war die Zeit des minimal. Eine Musik, zu der der Musikjournalist Philip Sherburne schrieb: «Minimal Techno corkscrews into the very heart of repetition». Für meine Erzählung wichtig ist auch das Statement von Robert Hood: «A basic stripped down, raw sound. Just drums, basslines and funky grooves and only what’s essential. Only what is essential to make people move. I started to look at it as a science, the art of making people move their butts, speaking to their heart, mind and soul. It’s a heart-felt rhythmic techno sound.»

Gut, lasst uns erste Tanzschritte wagen: Um dorthin zu gelangen, wo mein Text hinführt oder hinführen möchte, muss man verstehen, nein begreifen (also mit geistigen Fingern das Fluidum anfassen, es drehen und wenden, drücken und reiben, «haptisch» erfahren!) was Flow ist. Feststellung 1: Mit Flow ist keineswegs das deutsche Wort Fluss oder Strom gemeint, da diese Begriffe im deutschen sehr viel und sehr merkwürdig verwendet werden bzw. die eine oder andere Sache verkehren. Mir war beispielsweise nie klar, wie man von Warenflüssen und Geldströmen reden kann. Meiner Ansicht nach sind das lediglich mechanische Verschiebungen in fein verästelten Bronchialsystemen. Dieser Begriffsirrtum erschloss sich mir eines morgens, als ich mit meinem Velo an der Spitze  eines durch einen geschlossenen Bahnübergang unterbrochenen Verkehrsflusses stand und warten musste, bis der beeindruckend lange Güterzug durchgefahren war. Flow ist etwas ganz anderes. Feststellung 2 (und dann höre ich auf, Dinge fest zu stellen): Dass ich Flow mit der Form des Textes (der These, des Theorems) begreiflich machen möchte, ist kühne Einfalt!

Wenn man sich hier im VMK mit jemandem über die Freiheit unterhalten möchte, die in der Repetition zu finden ist, der soll Alexander Tuchacek darauf ansprechen. Er denkt sehr schnell und zuweilen ist es, als renne man in einem Maisfeld einem Hasen hinterher. Aber aus einer völlig anderen Ecke kommt von Alexander etwas absolut Kongruentes zu dem, was ich von der anderen Sphäre zu berichten habe. Am besten man hört sich mal dieses Musikstück an und kehrt dann wieder zum Text zurück.

Was passiert nun auf der Tanzfläche? Das muss ich vereinfachen: Das Monotone eröffnet eine Ebene universaler Freiheit (univers; «in eins gekehrt»). Alles ist möglich. Ein Zustand der Schwerelosigkeit. Schwer zu beschreiben. Kid David von der Legion of Extraordinary Dancers, von der wir gleich noch mehr hören, sagt über seinen Tanz folgendes:

«It’s kinda like, a lot of times, I don’t know whats going on when iam dancing cause on that point it’s just realy like it’s my body in the music, it’s not realy a concious decision «iam gonna do this, next iam gonna do this». It’s kind of like this other level where you can’t make choices anymore, it’s just your body reacting to certain sounds in the music.»

Es gibt diese junge Generation (obwohl – von einer Generation zu sprechen ist falsch), also diese Kids (und mit Alter hat das nichts zu tun) überall auf dem Planeten, die entdecken ebendiesen Flow, den es eigentlich schon immer gibt und der reine Bewusstheit ist. Für mich als professionellen Full-contact-street-cyclist gibt es zwei Seiten: Die eine hockt zwischen den Arschbacken schwitzend in einer Trivialisierungsmaschine und hupt und stösst und flucht. Die andere ist Empfindungskörper durch und durch und flowt durch die Häuserschluchten. Wer etwas von Flow wissen will, der fängt damit an, Freestyle zu betrachten.

TED-Talk über die Legion of Extraordinary Dancers

Was hat Flow nun mit Romantik zu tun? «Fenster als Schnittstellen». Vereinfachen wir das Ganze und nehmen unsere «Fenster zur Welt», die Augen. Weiten wir das Ganze aus und denken unseren Körper mit, unsere Sinne, unseren Geist, schlicht unsere Wahrnehmung in ihrer Ganzheit. Neue Menschen (an vorderster Front «die Freestyler») entdecken eine Welt vor der Konstruktion. Über ihr. Sie entdecken ihr Bewusstsein als Interface zu dieser Welt, werden selbst zu Kirchen. Sie sind in den Momenten, wo es «flowt» absolut präsent in der Gegenwart. Das Gedankenkonstrukt Zeit wird in ihren Händen zu einem formbaren Energieball. Sie versuchen weder den Beton zu bemoosen, noch ihn zu sprengen. Sie bauen damit Flugmaschinen!

Wann ist das letzte Mal etwas so kraftvolles aus dem «regulären» Kunstbetrieb herausgebrochen?

«Flow infinetly (…)» Jay Z – Hard Knock Life (Ghetto Anthem)

«Are we human, or are we dancers?» The Killers – Human

VL: MS: Verschmutzungsrechte – “World Overshoot Day – oder “Evolution in Action”

„Verschmutzungsrechte“ – oder es gibt auch ein Recht auf CO2. „Die Verschmutzungsrechte können Schweizer Unternehmen untereinander handeln oder sie handeln sie international als Aktie wie an einer Börse.

(SF 1/ECO/3.3.2008)

Nachhaltigkeit


„Globaler Fussabdruck“
„Seit Mitte der achtziger Jahre verbrauchen wir mehr Ressourcen, als die Erde regenerieren kann, derzeit überzieht die Menschheit ihr Konto jedes Jahr um rund 30% – letztes Jahr war es der 6. Oktober, an dem wir einmal mehr unsere ökologischen Unschuld verloren haben […]“. Mathis Wackernagel, Gründer von Global Footprint Network (Oakland), die einen Wirtschaftsindex entwickelt hat, welcher den Umgang der Menschen mit den natürlichen Res-sourcen messen soll.
(Der Fussabdruck der Schweiz ist dreimal so gross wie ihre Biokapazität – persönlicher Fussbadrucks berechenbar unter: www.footprintnetwork.org).
(Wackernagel, Mathis: Leben auf zu grossem Fuss. In: NZZ am Sonntag. Nr.5, 3.2.2008, S.67).

Es lässt mich aber auch vermuten, dass Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen – und all die „Geldgebenden“ und Initianten, welche zum Beispiel die Pflanzensamendaten in Spitzbergen angelegt haben, mehr von herzustellenden Kunstgriffen, „Kunstwerken“ um- und an-getrieben werden, denn von ökologischer Überlebenshilfe gerade der vor allem fokusierten sog. Dritten Welt. Dies als äusserst reizvoller Ausbruch und Idee „eines Modells, dass umso besser ist, desto intensiver erlebbarer, und nicht je wahrer es ist.“ [...] „Wir sind uns bewusst, dass wir in einem allerdings noch ungeklärten Sinn alles selbst modellieren, was wir erleben, und dass wir es auch anders modellieren könnten; das Universum, in welches wir von nun an getaucht sind, diese Geschwirr von Punkten im Nichts, ein Brei von Möglichkeiten ist, die wir zwar seit uralter Zeit so und nicht anders modellieren, aber die wir auch ganz anders modellieren könnten. [...] Wir erkennen uns selbst als Künstler und die uns umgebende Welt als Kunstwerk.“
(Flusser, Vilém: Die Lücken. In: Lob der Oberflächlichkeit. Bensheim und Düsseldorf. Boll-mann Verlag GmbH. 1993. S.35-46).

beuys_objekte.jpg Darstellung mit kritischen (-) Objekten, 1957, Beuys

Vielleicht sind hier Parallelen zu Herbert A. Simon auszumachen, der da von Zeitperspektive, die Zukunft diskontieren schreibt – was er als Glück bezeichnet – „durch intensives Diskon-tieren der Ereignisse, ihre Verdünnung proportional zu ihren Entfernungen in Raum und Zeit, reduzieren wir unsere Auswahlprobleme auf das Mass unserer beschränkten Berechnungs-kapazität.“ [...] „Insofern, als das Netz aus Ursache und Wirkung dichter wird, belasten wir unsere Planungs- und Entscheidungsverfahren schwer, um diese entfernte Wirkung in den Griff zu bekommen. Es herrscht ein ständiger Wettlauf zwischen jenem Teil unserer neuen Wissenschaft und Kenntnis, der uns zu weiteren Ausblicken befähigt, und dem Teil, der uns befähigt, mit dem was wir sehen, richtig umgehen zu können. Und wenn wir der Technologie manchmal pessimistisch gegenüberstehen, so deshalb, weil wir gelernt haben, weiter zu schauen als unsere Werkzeuge reichen.“
(Simon, Herbert A: Gesellschaftsplanung. In: Die Wissenschaften vom Künstlichen. Wien. Springer-Verlag. 1994. S.134-137)

beuys_egg.jpg

The Difficulty of Producing an Egg, 1968, Beuys

Was wäre Natur? „[...] unter Natur ist die Summe jener Dinge und Prozesse zu verstehen, die sich dem menschlichen Zutun und Wegtun entziehen: alle die Dinge und Prozesse, die sind, was sie sind und tun, was sie tun, ohne dazu von Menschenhand abzuhängen. Dazu hätte man aber zugleich, komplementär, Kultur als dasjenige bestimmt, was in unseren Mächten steht [...]. Konsequenterweise könnte man dann schliessen, dass bis auf einen kaum definierbaren Bruchteil der Welt alles um uns und alles in uns, vom Weltall bis zum Gefüge unseres Genoms, Natur ist, nicht von uns gemacht und nicht von uns beherrscht. Und doch kann heute jeder aus den Medien und aus eigener Erfahrung wissen, dass wir dabei sind, unsere Lebenswelt kontinentweit, selbst planetarisch so zu verändern, dass bei Projektion der Trends in absehbarer Zukunft die Lebensgrundlage der Menschheit als Gat-tung auf dem Spiel steht. [...] Sagen wir also, die soeben vorgeschlagene Definition von Na-tur sei selbst ein kulturelles Artefakt [...].“
„Natur als das Andere zu aller menschengemachten Verfassung und Geschichte, als Gren-ze, gegen die sich die Zivilisation nur behaupten kann, indem sie die Natur zurückdrängt, ausgrenzt und beherrscht […]. Die Bedingung jeder Herrschaft ist die Nichtzugehörigkeit. […] Mit der Beschleunigung der naturhistorischen, nicht umkehrbaren Veränderung der Erdober-fläche und Atmosphäre von einer evolutionären zu einer historischen Geschwindigkeit, mit dem Gewahrwerden, dass unsere menschheitlichen Aktionen sich im naturhistorischen Massstab als Waldsterben, als massives Verschwinden von Arten, als globaler Klimawandel auswirken, tritt zugleich eine grundlegende Änderung in unserem Bild von der Natur ein. Die Natur muss sich verändern, damit sich unser Naturbild verändert. Konnte bislang, jedenfalls seit Mitte des 19. Jahrhunderts, der ökologische Evolutionsprozess allenfalls aus dem er-schlossen werden, was er an archäologischen Spuren zurückliess, so spielt er sich nun als irreversibler Vorgang vor unseren Augen ab, als „Evolution in Action“ […].“
Natur ist zur vordringlichen technologischen Aufgabe geworden, Technologie zu einer ökolo-gischen Aufgabe.
Heute geht es darum, die Bedingungen der Möglichkeit zu erhalten, dass solche Pflanzen überhaupt noch irgendwo wachsen können. Die globalen Mischwesen wie Luftverschmut-zung, saurer Regen, Überdüngung sind heute überall. Aber alle Massnahmen bleiben an lokale Netze gebunden, und globale Effekte sind Summen, wenn auch in der Regel Über-summen von lokalen Massnahmen. Immer geht es um die Erhaltung von Spuren.“
(Rheinberger, Hans-Jörg: Natur, NATUR. In: Iterationen. Merve Verlag Berlin. 2005. S.30-35.)

Die Metapher als Psychotherapie

Was ist eine Metapher?

  • Die Metapher ist eine rhetorische Figur, die ein Wort oder einen Ausdruck benutzt um etwas anderes zu verstehen, als das, was sie normalerweise ausdrückt. Wenn wir z.B. zu Jemandem sagen: „Du bringst mich auf die Palme!“, meinen wir damit dass der andere einem nervös macht“.
  • Die Metapher erleichtert das Verständnis, von dem, was man sagen will und vereinfacht die Rede, indem sie eine grosse Nummer von Wörtern ausschaltet, um dem gleichen Begriff zu illustrieren.
  • Die Metapher identifiziert durch eine Sprache zwei verschiedene Dinge. z.B. Wenn man sagt: „Du bist eine Blume“ oder „Du bist wie eine Blume“ ist dies nicht dasselbe.

Psychotherapie?

Die Metapher ist ein aussergewöhnliches Mittel, das dem Hypnose-Therapeuten zur Verfügung steht, um die therapeutischen Einflüsse ins Unterbewusstsein zu übertragen.

Dies ist der Grund, weshalb die Metapher zur indirekten Beeinflussung (Hypnose) gebraucht werden kann, weil ihr Inhalt in privilegierter Weise von der rechten Heimsphäre (Hirnhälfte) aufgenommen wird. Wenn die Metapher mit der Beschreibung eines Konzeptes gebraucht wird, sind die beider Hirnhälften mit dem betreffenden Funktionen gleichzeitig beschäftigt.

Die Sprache, wurde gebildet, indem syntaktische Regeln den Wörtern und Gruppen von Wörtern Sinn gegeben haben. Aus der Erfahrung, hat man gelernt, dass aus einem nicht korrekt formulierten Satz (mit unklarem Sinn) ein auch nicht korrektes Verhaltensmuster entsteht.

Ein Therapeut, der mit der, von einer Person gebrauchten Sprache arbeitet, und auf die richtige logische Formulierung aufpasst, kann somit das Benehmen der Person selbst beeinflussen.

Eine gut formulierte Metapher verändert die Realität, das heisst, durch die Therapie kommt es zum Verschwinden von Symptomen. Wenn ein Patient seine Symptome beschreibt, braucht er Metaphern. Das beste was man tun kann, ist dem Patienten seine eigenen reinterpretierten Metaphern zu ersetzen.

Fazit

Generell gesagt, ist die Sprache selbst eine Metapher der Wirklichkeit. Diese ist weder verständlich noch mittelbar wenn nicht durch die Metapher, die der Sprache die richtige Form gibt.

Copyrights 2007 – Azzarello Rosario

Menschen und Maschinen

Wenige Überlegungen zu gesellschaftlichem Diskurs

Zur Vorlesung Gesellschaft: Diskurs und Dialog
18. Juni
MS

Um mit einem der Hauptakteure der montagabendlichen Begegnungen zu beginnen – J.D., und mit ihm mit der präsentierten Filmsequenz aus Dead Man, interessiert mich der in diesem Zusammenhang gefallene Satz: „der Indianer ist der Mächtige, er ist der, welcher den verletzten Blake pflegt“. Dieses Gefüge wird jedoch alleinig durch den Glauben des Indianers (bezeichnender Weise trägt er den Namen Nobody) an eine durch einen Name gegebene Macht ins Wanken gebracht. Es entsteht Raum für eine Kräfteverlagerung, in dem ein womöglich Sterbender, nicht durch seine tatsächliche Lage, sondern durch Assoziationen zu seinem Namen zu einer neuen Vorgängigkeit des Geschehenen und somit zu einer neuen Identität kommt. Das „Vor“bild des Indianers, welches er in Bezug auf den Namen hat, setzt einen Rahmen, in dem die Bedingungen festgelegt sind, unter denen es zu einer Begegnung zwischen den Eigenschaften des Namens und somit dem Träger des Namens und dem daran Glaubenden kommt.
(Gemäss Dozent muss ich ausgeprägt etwas von einer Sabine haben…)

Es entsteht ein theoretisches Wissen das aus Distanz gewonnen wird. „Wissen ist Wissen von und über etwas, man erlangt es auf Grund von Analysen und Beobachtungen und eher selten von Erfahrungen. Man entwickelt es mittels Verdichtung, Systematisierung und Abstraktion. Wissen ist Wissen, wenn es sich vom Gegenstand oder Sachverhalt, auf den es sich bezieht, löst und autonom wird. Es geschieht im Kopf und wird dort auch akkumuliert. [...]“ (Vgl. Huber, Jörg. Das Spiel mit dem Wissen. Wissen von dem wir nichts wissen. Eine andere Schulstunde. Projekt ith. 2007).

Die Wahrnehmung ist somit von dem jeweiligen Blick abhängig, der sich aus bestimmten Aspekten konstituiert, die ein Gesamtes entstehen lassen. „Das Ding stellt sich nicht schlechthin als wahr für jedes erkennende Wesen dar, sondern als wirklich für jedes Subjekt, das meine Wahrnehmungssituation teilt.“ (Merleau-Ponty, Maurice. Das Primat der Wahrnehmung. Suhrkamp Verlag Frankfurt/M. 2003. S.113/114).

Bei Sartre wird die Wahrnehmung als „realisierendes Bewusstsein“ bezeichnet, da die Wahrnehmung von Etwas mit dem Glauben an die Realität von Etwas verbunden ist.
Gibt es einen Unterschied zwischen der eigenen Wirklichkeit und Vorstellung? Sartre fragt, ob „man sich ein Bewusstsein denken kann, das niemals vorstellen (imaginer) würde“. „Es kann kein realisierendes Bewusstsein ohne vorstellendes Bewusstsein geben und umgekehrt“. (Sartre, Jean-Paul. Das Imaginäre. Phänomenologische Psychologie der Einbildungskraft, Reinbeck, 1971. S. 280/291).

“Die mit sich selbst gespielte Partie”. (Valéry, Paul. Monsieur Teste. Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main, 1997)

“Die „Ideen“ sind Transformationsmittel – und folglich Teile oder Momente von Veränderungen.
Eine „Idee“ vom Menschen „ist ein Mittel, eine Frage zu transformieren“”. (Valéry, Paul. Monsieur Teste. Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main, 1997)

“Ich kann mich selbst nur durch den anderen anerkannt anerkennen, und zwar in dem Masse, in dem dessen Anerkennung mich ändert [...]“. (Nancy, Jean-Luc. Hegel. L’inquiétude du négatif. In: Judith Butler. Kritik der ethischen Gewalt. S. 39.)

Vielleicht könnte hier eine Parallele von der Macht des Namens zur spezifischen Macht der Sprache gezogen werden, deren Sinn durch Beziehungen oder auch Lücken zuweilen verborgen oder durchkreuzt wird. Nicht als eine Funktion der sprechenden Person (NamensträgerIn), sondern als Produkt, welches das Individuum in passiver Weise einregistriert. „Darum sei die Sprache vom Sprechen unterschieden, [...]“. (Vgl. Humboldt, Über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaus und ihren Einfluss auf die geistige Entwicklung des Menschengeschlechtes von 1830-35).

Die Sprache wird somit zu einer sozialen Wirklichkeit, einer Konvention, die Gegenstände der Wirklichkeit auf eine bestimmte Weise zu sehen, hat aber mit der Wirklichkeit selbst nichts zu tun. „Die Sprache ist eine eigene Ordnung, die den Zwecken der Menschen angepasst ist, aber keine Verbindung zur Wirklichkeit hat“. (Schiewe, Jürgen. Die Macht der Sprache. Verlag C. H. Beck München, 1998. S.193)
„Der Mensch ist in seinem Erkennen sprachgeleitet, stets abhängig von der Sprache, von seinen Begriffen, denen er einen Namen gegeben hat. Aber er vergisst, dass er in diesen Begriffen und Namen niemals die Dinge selbst, die Natur erreicht, sondern mit ihnen stets seine Ordnung, sein Schema [...] in die Natur hineinträgt und somit letztlich nichts anderes zur Verfügung hat als Vergleiche, die er nicht mehr als Vergleiche erkennt, Metaphern, deren Bildgehalt sich verflüchtigt hat. Die Wahrheit des Menschen gründet sich nicht auf Erkennen der Dinge selbst, sondern auf ein Hineintragen menschlicher Ordnungsformen in die Natur“. (Nietzsche in: Schiewe, Jürgen. Die Macht der Sprache. S.187).
Auch wenn in dem von Nietzsche beschriebenen Bezug der Dinge und deren Begrifflichkeiten womöglich von einem anderen Verhältnis als dem von einer Person zu ihrem Namen die Rede ist, wird doch auch hier eine Zuordnung, eine Gleichsetzung von Nichtgleichem (durch den Indianer) vollzogen, die mit der Natur seines vis-à-vis (Blake) nichts zu tun hat.
Mauthner schreibt, dass „das Festhalten von Stimmungen in Worten ist deshalb möglich, weil die Sprache keine Beziehung zur Wirklichkeit besitzt. Die Sprache ist subjektiv in dem Sinne, dass sie keinen Bezug zu den Gegenständen der Wirklichkeit aufweist, sie besteht aus der „Summe der Erinnerungen des Menschengeschlechts“. (Mauthner, Fritz. Beiträge zu einer Kritik der Sprache. Frankfurt/M., Berlin, Wien.1. Aufl. 1901/02).

Diskurs – vielleicht im Gegensatz zu Dialog – als sprachliche Machtausübung. Perlokutionär, beinhaltet eine Aufforderung, den oder die Angesprochene zu einem Adressaten für die eigenen Interessen zu machen (nach Kant: [...] dass es immer auch darum gehen muss, den anderen nicht als blosses Mittel, sondern immer auch als Zweck zu behandeln – womit eine Handlung nicht schon dadurch moralisch disqualifiziert ist, dass ich eigene Interessen bzw. strategische Absichten verfolge).

Es stellt sich da aber auch die Frage, ob es ein rein illokutionär veranlasstes Handeln, also ohne zielgerichtete „Folgen“, im menschlichen Verhalten überhaupt gibt? Ist nicht jede Kommunikation, jedes Erzählen ein Einwirken auf die oder den Anderen? Oder muss gemäss Austin perlokutionäres und illokutionäres Verhalten als zwei verschiedene Aspekte einer Handlung gesehen werden?

Sprache schreiben – Schrift sprechen

von Bruno Meilick

Die weltweit meist gesprochenen Sprachen verfügen meist auch über eine Schrift. Die Sprachen ohne Schrift sind heutzutage am aussterben. Das liegt daran, dass dem Medium Schrift eine rasant wachsende Bedeutung in aufstrebenden Kulturen zugewiesen wird. Festzuhalten ist auch, dass häufig die Schrift einer Sprache aus einer anderen Sprache übernommen wurde. So wurde zum Beispiel neben dem Latein auch das lateinische Alphabet durch die Römer in ganz Europa eingeführt. Im Laufe der Jahrhunderte veränderten sich jedoch die Sprachen, die verwendeten Schriftzeichen blieben aber weitgehend die Gleichen.
Um die besonderen Laute der Sprachen auch in der Schrift ausdrücken zu können wurden unter anderem die Sonderzeichen (z.B. ä, ü, ö) oder auch die Akzentzeichen Akut, ( ´ ), Gravis ( ` ) und Zirkumflex ( ˆ ) eingeführt. Die Verwendung und das Vorkommen dieser Erweiterungen der Schrift ist jedoch nicht einheitlich. Lernt man eine Sprache muss man auch lernen die Erweiterungen zu lesen und als Laute wiedergeben zu können.

Um dies zu Vereinfachen wurden verschiedene System zur Notation von Sprachlauten entwickelt. Neben ikonographischen Ansätzen, bei denen z.B die Rundung der Lippen beim Bilden des Lautes dargestellt sind, finden sich auch analphabetische Systeme in denen die Stellung aller beteiligten Sprechwerkzeuge notiert sind.
Das älteste und am weitesten verbreitete System ist jedoch das Internationale Phonetische Alphabet. Mit diesem können die Laute der Sprachen nahezu genau festgehalten werden.

Quellen:
- http://de.wikipedia.org/wiki/Internationales_Phonetisches_Alphabet
- http://www.weikopf.de/Sprache/Grundlagen/Phonetik/phonetik.html

Nachtrag der Bild und Tonbeispiele:
Ton: Russisches Volkslied

Bilder: Unter den Indianern waren neben den einzelnen Sprachen auch eine beinahe übergreifende Zeichensprache in Verwendung. Sprach man einmal nicht die selbe sprache so konnte man sich zumindest mit Gesten verständigen. (Quelle: http://www.indianer-web.de/ursprung/sign/sign.htm) Nachfolgend einige Beispiele.

Frage GeheGutBöse

Sprachlicher Genus ist keine Pflicht

von Bruno Meilick

Der Genus darf nicht mit dem natürlichen Geschlecht (“Sexus”) verwechselt werden und entspricht dem grammatischen Geschlecht. Der Genus eines Substantives wird im Deutschen durch seinen Artikel gekennzeichnet. In manchen Sprachen wie z.B. dem Italienisch ist die Kennzeichnung durch die Endung des Substantives vorhanden. Es gibt jedoch auch etliche Sprachen die gar keine Kennzeichnung des Genus haben. Die Einteilung der Substantive in die drei Gruppen ist grammatikalisch sinnvoll, die Verwendung von Maskulin, Feminin und Neutrum jedoch völlig willkürlich.

Sinnvoll deshalb weil Sätze wie “Der Krug fiel in die Schale, aber er / sie zerbrach nicht.” leichter zu verstehen sind, wenn ein Pronomina die Wiederholung des Substantives erstetzt. Im Englischen hingegen haben die beiden Substantive beide den Genus Neutrum und der Sinn des Satzes “The jug fell into the bowl, but it did not break.” kann nicht mehr direkt verstanden werden.
Willkürlich ist die Einteilung, weil andere Sprachen mit mehr (z.B. 7 bei Suaheli), weniger (Französisch, Italienisch, Spanisch) oder ganz ohne Genus (z.B. Englisch, Tai-Sprachen) auskommen.

Dieser Sachverhalt scheint mir insbesondere interessant, da jeder Mensch durch den Genus und deren kulturell geprägten Verwendung beeinflusst wird. Sei es z.B. in der, je nach Sprache unterschiedlich gehandhabten, Personifizierung von Sonne und Mond in Mythen oder auch in der Femministischen Linguistik, welche auf die Problematik einer Wahrnehmungsverzerrung durch den Genus aufmerksam macht.
Quellen:
- http://de.wikipedia.org/wiki/Genus
- http://www.weikopf.de/Sprache/Grundlagen/Genus/genus.html

Die Sprache

von Rosario Azzarello

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Die Sprache ist das umfassendste und differenzierteste Ausdrucksmittel des Menschen, zugleich die höchste Erscheinungsform sowohl das subjektiven, wie auch des objektiven Geistes. Die Sprache hat sich aus Naturlauten entwickelt. Jeder Schrei ist schon eine Art Sprache. An der Verbesserung dieser wichtigen, wenn auch noch primitiven Verständigungsmittels arbeitete der Mensch, indem er den Schrei zu gestalten suchte. Die Geschichte einer Sprache spiegelt die Sozialgeschichte des betreffenden Volkes wider. Die Wortstämme einer Sprache zeigen an, welche Gegenstände für das Volk zur Zeit der Sprachformung die Wichtigsten waren. Der Wortschatz einer Sprache zeigt an, was ein Volk denkt, die Syntax zeigt an, wie es denkt. Da die Sprache objektiver Geist ist, charakterisiert sie ein Volk am genauesten. So ist es z.B. kennzeichnend, dass die Beduinen eine Anzahl von Worten für das Kamel je nach den Beziehungen bilden, in denen es in ihrem Leben fungiert, dass Ostafrikanische Jägervölker viele Ausdrücke für die Nuancen von “braun”, aber nur einen für alle übrigen Farben zusammen haben. Wenn in einzelnen slavischen Sprachen das Hilfszeitwort “sein” eine geringere Rolle spielt, als etwa in den romanischen und germanischen, so zeigt das, dass das Seinsproblem, vor allem das Problem der Seinsaussagen sich diesen Völkern doch nicht in der Schärfe stellt wie den romanisch und germanischen.

Man kann an der Sprache drei Funktionen unterscheiden:

- Äusserung (Kundgabe),
- Einwirkung (durch Anruf, Mitteilung, usw.),
- Sachbezogenheit (Bennenung, Orientierung, Darstellung).

Gesten und Körperbewegungen sind auch eine Sprache, die in irgendeiner Form bedeutsame Information übermitteln. Dabei werden typischerweise die oberen Gliedmassen – Arme und Hände – und der Kopf betrachtet. Bei der Informationsübermittlung spielen nicht nur statische Konfigurationen dieser Körperteile (Posturen), sondern insbesondere dynamisch wechselnde Körperkonfigurationen eine wichtige Rolle. Neben Gestenfunktionen, die das Herstellen und Ändern von Umgebungsbedingungen durch direkte Manipulation oder die Exploration der Beschaffenheit von Gegenständen durch taktile Eindrücke vermitteln (ergotische bzw. epistemische Funktion) ist in der gestischen Mensch-Maschine-Kommunikation esonders die Übermittlung sinnbehafteter Information durch Zeichen von Bedeutung (semiotische Funktion); diese kommunikative Funktion soll im Weiteren im Vordergrund stehen. Der im englischen Sprachraum verwendete Begriff “gesture” betrifft dabei einerseits Gesten im engeren Sinne, als mehr oder weniger spontane Formen körperlicher Äusserung, wie andererseits auch intendierte Bewegungen mit ausgeprägtem Zeichencharakter (Gebärden), deren Bedeutung auf Konventionen beruht. Die beiden Typen kommunikativer Gestik – spontane Bewegungen und Zeichensprachen – bilden die Extrempunkte einer kontinuierlichen Einteilung, durch die Gesten ihrer Sprachlichkeit nach angeordnet werden.

Hier ein lustiges Video als Beispiel wie Gesten und Körperbewegungen als Sprache gebraucht werden: