Posts zu Lehrveranstaltungen von Prof. Dr. Nils Röller (Mediale Künste, DKM, ZHDK)
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Vilém Flusser Theory Award
Einsendeschluss: 31. Juli 2010
Festival Datum: 01. – 06. February 2011
Der Vilém Flusser Theory Award (VFTA) fördert innovative medientheoretische und praxisbasierte Forschungsprojekte, die aktuelle Positionen digitaler Kunst und Kultur vorstellen. In der Tradition des kulturellen Nomaden Vilém Flusser verstehen wir dies als ein Denken, Handeln und Begreifen vom Unbekannten her, als Aufforderung, „Hals über Kopf in den Abgrund des Unbekannten zu springen“, um die sich schnell ändernden technischen und gesellschaftlichen Bedingungen der digitalen Kunst und Kultur zu begreifen. Die wissenschaftliche wie künstlerische Auseinandersetzung mit neuen Technologien und Medienformen folgt daher dem Bemühen, das diskursive Vokabular im Sinne eines dialogischen und offenen Denkens zu erweitern und neue Formen der Visualisierung, der Analyse und der Interpretation zu ermöglichen. Gesucht werden Projekte, Positionen und Texte die jenseits festgefügter Methoden einen transdisziplinären Kontext zwischen kunstbasierter Forschung und medientheoretischem Diskurs schaffen. Der Vilém Flusser Theory Award
wird seit 2008 gemeinsam mit dem Vilém_Flusser_Archiv der Universität der Künste in Berlin (UDK) vergeben.
Der Autor als Netzwerker: Fotografie

Edgar Allan Poe (1809-1849), Daguerrotypie von Marcus Aurelius Root, 1848. Quelle (Getty Images): Klick hier.
mirrors – bianca hildenbrand
a)
[...] Es mit dem Wissen wie mit dem Sehn – je mehr man sieht, desto besser und angenehmer ist es – Ist man übler dran, weil man sieht? Unwissenheit und Blindheit sind analog.
(Novalis, Frankfurt/M.: Fischer, 1956, S.178)
b)Der Spiegel. Ein Medium, um in einem Raum einen weiteren Raum sehen zu lassen. Es sind zwei Orte, die einen Bezug zueinander haben und das Spiegelbild als Abbild von der Wirklichkeit gelesen wird. Symbolisch wird der Spiegel als Wahrheit gelesen. Hier wird also Wissen(schaft) verbunden mit Sehn, was Novalis Aussage entspricht.
Die Wahrnehmung der Bilder vor und im Spiegel können weit auseinander laufen. So sehe ich auch das Phänomen “Wirklichkeit” als eine subjektive Empfindung. Die Wahrnehmung dessen muss aber nicht der Wahrheit entsprechen. Also auch keine Realität sein. Wobei wir uns hier wieder der Philosophie von Schlegell nähern.
Die Arbeit “Smashed mirrors” von Michelangelo Pistoletti, bewegt sich zwischen diesen zwei Ansichten. Etwa 20 zerschlagene Spiegel sind nebeneinander in einem Raum an die Wand gehängt. Sie entstand durch einen performativen Akt, den der Künstler vor Publikum durchführte. Der Akt des Schlages mittels eines grossen Hammers, sehe ich als freie und eigene bevorzugte Interpretation nach Novalis (die Zerstörung der Wahrheit und Bewahrung des Scheins ) oder nach von Schlegell (die Zerstörung des Scheins und Bewahrung der Wahrheit).
Die Smashed mirrors sind nach Novalis die Blindheit / Unwissenheit, nach von Schlegell spräche man von Wahrheit.
c)
“Smashed mirrors”, Michelangelo Pistoletti
(Ausstellung an der Biennale Venedig, 2009)

d)
Ein Textobjekt, gleichzeitig aus der Realität entrückt, als auch dran beteiligt, die Wahrheit-als-Effekt im Abstrakten unterzubringen; das nur innerhalb seiner eigenen Relevanz existiert; das gleich einem in das Gefüge der Welt geschnittenen Lochs keine nichtliterarische Relevanz in Bezug zu Aussenwelt hat.
(Marc von Schlegell. Realometer, Originalausgabe/ 2009; Merve Verlag Berlin, S.19)
Akane Tamotsu: Novalis’s note searched from the Internet
(de)
Alles Sichtbare haftet am Unsichtbaren – das Hoerbare am Unhoerbaren – das Fuehlbare am Unfuehlbaren. Viclleicht das Denkbare am Undenkbaren – .
(en)
Everything that is visible clings to the invisible, The audible to the inaudible, The tangible to the intangible, Maybe also the imaginable to the unimaginable.
***
Indeed if we change the view point for something, we can see/find another aspects of it. However sometimes it is not easy, sometimes we cannot, or sometimes even if we can, it makes us more confuse (in this case we may be in the “border”). the (able) visible/audible/tangible/imaginable and (unable) invisible/inaudible/intangible/unimaginable make spiral then if we find an “able”, next we find “unable”, “unable” become “able” then next we find another “unable”…
this is my way to understand Novalis’s word.
***
Mark von Schlegell: “Realometer” – American Romance
“The realometer is like a machine. The realometer reflects the light of the living world of consciousness as it rolls written through recorded time, romancing an ever-changing real.”
(http://www.hkw.de/en/programm/2009/andere2009/veranstaltungen_31440/Veranstaltungsdetail_1_36155.php)That is interesting simile to say American Romance as machine.
In my image, machine is hard, metalic, algorythmic, no warm of human, no spirit, no will, eternally work, only work, … few ‘good’. and also in my image Romance is more lively and human-nature.
then I give it a try to think of the word “system”. Does “system” have human-nature or not? we human have made up a lot of kind of systems, like communication, politics, education,…, and made use of, ran, managed them.
also Machines work along orders by program or stimulation – there are systems.
then there is a common point between human and machine… both exist on some systems and without them we lose order, cannot continue to exist in calm…
still I don’t think Machine is not human nature but “system” is like a bridge between machine and human.
then realometer also has a system which projects human’s lively feelings, and human are the creators of its program. when human’s feelings get together, the flow is made and the flow becomes a big program (similar as Complex Systems!). by the program, the system works, … then he said realometer is like as it rolls ‘written through recorded time’. …
…I’m sorry, I become confused. and my opinion may be out of theme… (I’m studying “Computer Science” at my home university!)
Und so fort – Andrin Winteler
a) Gefühl des Gefühls ist schon Empfindung; Empfindung der Empfindung und so fort.
(Novalis, Frankfurt/M.: Fischer, 1956)
b) Dieser Satz von Novalis ist mir sofort ins Auge gestochen. Interessant finde ich diese monotone Wiederholung zu einem Thema das ganz und gar nicht monoton ist. Ich bin mir nun aber nicht sicher wie Novalis das ganz genau meint. Auf der einen Seite geht er auf das Gefühl und die Empfindung ein. Auf der anderen Seite ist Schluss und es kommt nur noch; und so fort. Sollte man das nun als Leser fertig denken? Hatte er keine Lust um weiter zu Philosophieren oder gar weiter zu schreiben?
Ich habe mir das überlegt und bin auf folgendes gelangt: Nach der Empfindung kommt das Gefühl und dann Körperliche Reaktion, Emotion. Davor oder Danach die Nachempfindung?
Empfinden tut man ja Tagtäglich x tausend fach. Ein Beispiel: Ich Stehe morgens auf. Die akute Altlast ist der Traum, der in meinem Kopf herumschwirrt. Schon habe ich eine Empfindung. Dann schaue ich als erstes aus dem Fenster. Wie ist das Wetter? Mache mich Strassentauglich und gehe aus dem Haus Richtung Bahnhof. In diesem kurzen Zeitabschnitt hatte ich schon so viele Empfindungen und das waren vielleicht erst fünfzehn Minuten. Alle Empfindungen klumpen sich zu einem Gefühls- Wollknäuel, der immer grösser wird, bis er zu einem Höhepunkt kommt und Implodiert, oder auch Explodiert.
Oder habe ich vielleicht den Satz von Novalis falsch verstanden. Vielleicht kommt anstatt und so fort; ist schon Gefühl, also sich ein ewiges drehendes Karussell.
Gefühl des Gefühls ist schon Empfindung; Empfindung der Empfindung ist schon Gefühl.
Dann sollte nach meiner Meinung die Empfindung vor dem Gefühl kommen. Oder Beeinflusst das Gefühl unsere Empfindungen?
c)

Caspar David Friedrich, Klosterfriedhof im Schnee, 1817-19
Dieses Bild habe ich aus zwei Gründen ausgesucht. Erstens half es mir anhand diesem Bild die beiden Wörter Gefühl und Empfindung zu Analysieren. Zweitens nahm ich es zur Verbindung zwischen dem Satz von Novalis und dem Satz, den ich von Schlegel ausgesucht habe.
In der Szenerie mit der zerstörten Kirche, dem Schnee und den Menschen, die durch den, noch halb verschonten Kircheneingang gehen, schwarz angezogen sind und trauern finde ich viele Parallelen zu Schlegell’s Satz.
“In der Natur, in ihren Schweissnassen Armen” = Karge Landschaft mit Schnee
“Ausgestossene seine Entdeckungen fortsetzten” = Die trauernden Menschen
Heimatlosigkeit = zerstörte Kirche, Kälte
d) In der Natur, in ihren schweissnassen Armen, wird der Ausgestossene seine Entdeckungen fortsetzen. Seine Heimatlosigkeit wächst dabei exponentiell zum Ausmass. seiner Entdeckungen. Das Entdecken selbst ist ein Ausstossen der Vergangenheit. Der Ausgestossene ist von nun an für immer an eine zwingende, schicksalshafte Untersuchung gebunden, mit dem Ziel das Selbst zu entdefinieren.
(Marc von Schlegell. Realometer, Originalausgabe/ 2009; Merve Verlag Berlin, S.54)
Andy Palamarcukova
a
Die Welt muss romantisiert werden. So findet man den ursprünglichen Sinn wieder. Romantisieren ist nichts als eine qualitative Potenzierung. Das niedere Selbst wird mit einem bessern Selbst in dieser Operation identifiziert. (…) Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewönlichen ein geheimnisvolles Ansehn, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe, so romantisiere ich es – Umgekehrt ist die Operation für das Höhere, Unbekannte, Mystische, Unendliche. (Novalis, Frankfurt/M.: Fischer, 1956, S. 134)
b
die tiefe des sees
den wind im
die töne von
die wünsche des herzens
das fliegen
die wilde ruhe
die unvernunft
c
Kinderzeichnung, gekauft für Fr. 5.-
d
Wahrheit: die Befriedigung des Intellekts, welche Leidenschaft oder die Erregung des Herzens produziert. (…) Die Wahrheit, hinter der Poe her ist, ist in Wirklichkeit die Abwesenheit von Wahrheit: eine Wahrheit, entsetzlich verschleiert, gewaltsam überdeckt, ein totalisierender Strudel, in den wir widerstandslos hinunter gesogen werden, während wir winzige empirische Beobachtungen vor uns her plappern. (Mark von Schlegell, Realometer. Berlin: Merve Verlag, 2009, S. 19)
The truth has become merely half-truth.
no-ma-realo – auf das (dah-) inter kommt es an (ng)
a
Mannigfache Wege gehen die Menschen. Wer sie verfolgt und vergleicht, wird wunderliche Figuren entstehen sehen … (aus: Novalis, Friedrich von Hardenberg; Die Lehrlinge zu Sais (1798-99). Gedichte – Die Lehrlinge zu Sais. Stuttgart: Reclam, 1984, S. 61.)
b
Verfolgen und vergleichen – Praxen des Detektivs – Finden wird er Leben, deren Sinn die Suche nach dem Sinn ist. Trost – nein, Verständnis – nein, Gelassenheit – vielleicht.
c


d
In der radikalen Ökonomie des Realometers existiert der Wert nur, um entwertet zu werden. (aus: Mark von Schlegell, Realometer, Merve Verlag, Berlin, 2009, B. S. 41)
Die Romantik als Verein des Unvereinbaren von Daniel Skoda
“Die Toteninsel” von Arnold Böcklin
(Leider kam das von mir bestellte “Realometer” noch nicht an, deshalb Zitiere ich an Stelle von Schlegel den Friedrich Schiller)
“Der Tod ist das romantisierende Prinzip unseres Lebens Der Tod ist Minus, das Leben Plus. Durch den Tod wird das Leben verstärkt” (Novalis, frankfurt/m 1956)
Für mich war die Romantik immer eine Epoche, die sich stark damit beschäftigte scheinbare Gegensätze zu vereinen, welche schon eng beieinander standen und zueinander gehörten, welche aber nie (in Kunst, Philosophie etc.) vereint wurden, ohne dass das Werk auf die eine oder andere Seite kippte . Der Tod und das Leben, die Liebe und das Leiden, die Freude und die Trauer. Vielleicht war es aus diesem Grund, weswegen die Künstler neue Wege (bildnerische, literarische) suchten um die Verbindung zweier Welten zu zeigen (zum Beispiel Schinkels “Dom am Wasser”). Der trotz seiner Schönheit eindeutig Materielle Dom wird zum Tor zum göttlichen Licht. Auch Edgar Allen Poe schaffte es die Welt der Vernünftigen Gedanken und Berechnungen mit furioser Kraft auf die Welt der Geister, des Spirituellen und des Unheimlichen prallen zu lassen, ohne einen eindeutigen Sieger zu kühren. Die Wahrheit ist hier nicht mehr von Interesse oder sie wird relativiert, indem die Aufmerksamkeit dem Blick zugewendet wird. Vielleicht half es diesem Zweck ein “Irrer” zu sein, denn Wahrheit ist niemals die einzige Wahrheit. Poe konnte den Wahnsinn der Vernunft gleichsetzen und zeigte dadurch, das die Vernunft relativ ist.
” Selbst der philosophische Untersuchungsgeist entreisst der Einbildungskraft eine Provinz nach der anderen, und die Grenzen der Kunst verengen sich, jemehr die Wissenschaft ihre Schranken erweitert” (zit. Friedrich Schiller, “über die ästhetische Erzehung des Menschen” Reclam 2000, S. 10)
Vielleicht spricht hier Schiller die Ermordung Gottes durch die Wissenschaft an. Ich denke die Romantik fand einen Ausweg aus diesem Verbrechen, indem sie beide Kräfte zur selben Macht erklährte. Die Wissenschaft bekahm etwas spiritistisches. Der Tod wurde Romantisch und die (im Mittelalter noch) feindselige Natur wurde zum Geschenk, das nicht mehr nur willkührlich handelte, sondern das Teils berechnet werden konnte. Man könnte aber auch sagen, dass dadurch, das die Philosophie (oder Wissenschaft ) sich immer weiter ausdehnte, die Kunst (die die Gebiete verloren hatte) nun nicht mehr darauf pochte Wahrheit zu besitzen, oder auf diese zu verweisen, sondern sich unabhängig davon bewegte und Wahrheit bewusst simulierte, dekonstruierte oder sich schlicht und einfach nicht darum kümmerte und sie so der Unwahrheit gleichsetzte.
Die Schönheit, die ich der Romantischen Epoche zuspreche, entstand vielleicht durch das Ueber-Ich das die Menschen bekamen, als sie den Tod als Teil des Lebens, die Wissenschaft als Teil Gottes (oder umgekehrt) akzeptierten und begannen in sich selbst, im Blick, im eigenen Wesen nach der Wahrheit, nach einer Quintessenz dieser Kräfte zu suchen.
Daniel Skoda
Alper Yagcioglu
a) Mathematik ist eine Substitution zur bequemern Reduktion – ein Hilfsmittel des Denkens. (Novalis. Frankfurt/M.: Fischer, 1956, S. 191)
b) Zahlen und Rechner bestimmen unser soziales Leben. Kybernetik, die Kunst des Steuerns!
d) Der Realometer ist eine Sprache, die keinem Signifikat entkommt.
(Mark von Schlegell: Realometer. Berlin: Merve, 2009, S. 42)




